Scouting im Januar

Fußball und Sport ist alles, auch im neuen Jahr. Wir schaun nicht nur viel, sei es live oder unzählige Zusammenfassungen aller (un-)spannenden Partien sämtlicher Ligen, wir lesen auch das Meiste, was uns auf irgendeine Art und Weise auf die Bildschirme kommt. Und püntlich zum ersten Wochenende jeden Monats werden wir euch ab jetzt mit ein paar Textempfehlungen versorgen, inklusive Links. Folgt uns Kinder, wir gehen rein.

Wir fangen an mit der Zahl ‚Vierundzwanzig‘. So hoch nämlich, in Prozent, ist anscheinend die Wahrscheinlichkeit, dass der FC Bayern aus München die Champions League im Jahr 2023 gewinnt. Er ist damit der Favorit, recht knapp vor Manchester City und Real Madrid. Diese und andere Vorhersagen rund um den Fußball werden auf dem Blog FiveThirtyEight veröffentlicht, von einem DataScience Team des US-amerikanischen Senders ABC. Das führt zu allerlei spannenden Rechenspielen und was-wäre-wenn Überlegungen, allerdings ist das für manche Ligen auch nur bedingt interessant. Die Premier Division in Südafrika hätte vermutlich ausgespart werden können, nachdem die Siegwahrscheinlichkeit von Mamelodi Sundowns bei >99% liegt, da kann man sich die Wetten dann auch sparen.

Ähnlich interessant wie die Verhältnisse im Südafrikanischen Fußball war das Interview mit Manuel Neuer in der SZ Anfang des Monats. Jener ist seit vielen Jahren unangefochtene Nummer Eins sowohl beim datengestützten Champions League Titelfavoriten, sowie bei der deutschen Nationalmannschaft. Er ist so dominant, dass er sich nur selbst aus dem Tor vertreiben kann, dieses Mal aufgrund eines Skiunfalls, welcher in dem Interview auch geschildert wird. Neuer wird dabei gleich in doppelter Hinsicht emotional, nicht nur weil er der Meinung ist, seine Familie und Freunde im Stich gelassen zu haben, sondern auch, weil sein Torwarttrainer und sehr guter Freund mit dem Fußballmanager-Namen Toni Tapalovic jüngst von Neuers Arbeitgeber vor die Tür gesetzt wurde. Es herrscht ein wenig Unruhe beim deutschen Rekordmeister in jüngsten Tagen, vielleicht passiert ja sogar was Spannendes.

„Der vor Geld triefende Profifußball setzte vor 40 Jahren eine wachsende Monokultur im Sportbertrieb in Gang“ ist dann auch ein passendes Zitat für die eigene Gefühlslage am Ende von Manuel Neuers Antworten und ist in Hans Kratzers Beitrag zum Niedergang der Randsportarten in Bayern auch als zynische Kritik gemeint. Der Beitrag an sich zeichnet recht anschaulich und detailverliebt den Niedergang von so namhaften Disziplinen wie Steherrennen und Feldhandball im vergangenen Jahrhundert nach. Man lernt dabei beispielsweise woher das Rhönrad, dieses gefährliche Riesending, welches in jeder Schulsporthalle ganz hinten rechts leicht angestaubt hinter Medizinbällen und angemoderten Weichbodenmatten versteckt stand, seinen Namen hat (Es wurde 1924 in Rhön entwickelt). Und auch so ist es ein nette kleine Sportgeschichte des Freistaats, die kurz ablenkt von marketingsentimentalen Millionären.


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