Das neueste Scouting kommt wie alle Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung, leicht verspätet. Im Unterschied zu den Genannten allerdings vollgepackt mit allem, was das Leben glücklicher macht. Es wird sich um viel Einzigartiges drehen in diesem Monat, tolle Bahnfahrten nach Italien, wilde Werbedeals, einen begnadeten Mittelfeldspieler und die Erkenntnis, dass es zum Glück wirklich nur einen Rudi Völler gibt.
Beginnen wollen wir mit unserem Quasi-Nachbarland und froher Kunde. Die Reisenden, insbesondere die Zugreisenden, unter uns wird es freuen: Trenitalia und die Deutsche Bahn haben neue Verbindungen zwischen Berlin und Rom angekündigt, insbesondere auch in der Nacht. Es gilt zwar noch einige Hürden in der EU-Gesetzgebung zu beseitigen, dann kann das Ganze aber Wirklichkeit werden. Abends in den Zug steigen, mittags mit einem Bier wieder rausfallen und dann genügsam nach einem muntermachenden Caffe ins abgeratzte Olimpico gehen. Wen das nicht vom Bahnfahren überzeugt, der ist verloren, wie Kevin in der nachfolgenden Geschichte.
Wenn man so durch seine Nachrichten-Timeline slidet wie Sol Campbell zu seinen besten Zeiten durch Verteidiger-Beine wird einem natürlich auch jede Menge Werbung angezeigt, klar. Darunter ist auch die eine oder andere Fast-Food-Kette, weshalb diese Meldung fast durchgerutscht wäre: Kevin De Bruyne und McDonalds schließen Werbevertrag ab. Bitte? Dazu sagt der Mittelfeldspieler: „Es ist erfüllend, meine Plattform für etwas Gutes nutzen.“ Wie bitte? „Das macht es mir einfacher, mit ihnen zusammenzuarbeiten, da wir ein gemeinsames Ziel haben.“ Ähm, was? Der Belgier, der als Fußballer definitiv zu den Besten der Welt gehört, muss da was verwechselt haben. Aus seinen Einlassungen ergeben sich nämlich diverse Fragen, die noch zu klären wären. Eine könnte zum Beispiel lauten: „Was, zur Hölle, tut McDonalds denn Gutes?“ Oder auch: „Was bitte ist denn da das gemeinsame Ziel?“ Auf die erste Frage könnte man noch halbernst antworten, dass De Bruyne und seine Familie regelmäßig selbst Fast-Food-Ketten aufsuchen (was sie selbstverständlich machen dürfen, da will man nicht reinreden) und von daher McD durchaus als sinnvolle Nahrungsmittelbeschaffungsmaschinerie (ach Deutsch, du schöne Sprache) bezeichnen könnten. Aber spätestens bei der zweiten Frage ergeben sich bei der Beantwortung Probleme. Ist das Ziel die Verfettung der (belgischen) Bevölkerung? Und falls ja, was hat denn der Akteur von Manchester City davon? Selbstverständlich werden wir darauf keine Antworten erhalten, dennoch wirft es mal wieder ein Schlaglicht auf das fehlende soziale Bewusstsein eines Sports und seiner Sportler, die sich mehr um ihren (prall gefüllten) Geldbeutel sorgen als um gesellschaftliche Veränderungen. Wenn man fies wäre (hier bekommt jeder sein Fett weg) könnte man noch nachschieben, dass De Bruyne zumindest etwas aussieht wie Ronald McDonald, aus dieser Perspektive macht die Partnerschaft also durchaus Sinn. Sind wir aber nicht. Aus Protest gibt es jetzt erstmal einen Big Mac, das hat De Bruyne davon.
Ähnliche Position spielend und ähnlich positiv auffallend auf dem Platz allerdings auch wirklich aufgrund seiner fußballerischen Fägihkeiten Mittelpunkt unseres Scoutings ist Martin Ødegaard. Der 24 jährige offensichtlich Magiebegabte der „Gunners“ übernimmt eine zentrale Rolle in der Erfolgsgeschichte des FC Arsenal in dieser Saison, und wir wissen warum. Er ist Weltklasse und ein Außnahmespieler. Was ihn unter Anderem so besonders macht? Seine Fähigkeit zu Field Scans während des Spiels. Noch nie gehört? YouTube hat seine Sonnenseiten und in einem Beitrag vom Kanal „BeYourBestPro“ wird Ødegaards Fähigkeit, vor, während und nach der Ballanahme das Spielfeld zu scannen, analysiert. Es ist eine sehr beeindruckende Darbietung und noch ein Grund mehr Spiele des kommenden Premier League Meisters anzuschauen.
„Es gibt nur einen Rudi Völler“, und das ist vermutlich auch nichts wirklich Schlechtes, da der ehemals Bespuckte auch weiterhin Interviews gibt. Diese waren noch nie Völlers Lieblingsbeschäftigung, vor allem nicht vor der Kamera, meist schlecht gelaunt zeichnete er sich nicht als besonders umgänglich aus Fragen von Sportjournalisten zu beantworten. In anderen Worten: So gut bezahlt die Posten als Manager, Sportdirektor, usw. auch sind, so gleichzeitig ungern scheinen die Menschen, die diese Posten besetzen, gewillt ihren Job, ohne dabei die Arbeit der Mitmenschen schwerstmöglich, zu machen. Der Satz gerade eben war möglichst kompliziert formuliert, damit ihn unser ehemals Nationalstürmer mit Temperament nicht in den falschen Hals bekommt, der Hanauer aus Leidenschaft projiziert sich in einem absurden Interview auf die Gebrüder Grimm, die für ihn eine Rechtfertigung darstellen, nicht gendern zu müssen. Was ja erstmal exakt so interessant und weltbewegend ist, wie es von Sportfunktionär wie Rudi Völler zu erwarten ist. Ihn „gibt es nur zu hundert Prozent“. Reicht völlig.
Und wenn wir schon bei Sympathieträgern für die nationale Einheit sind, sollten wir unbedingt noch einen Blick nach Berlin werfen. Ja, da spielen die “Eisernen“, Union Berlin, ein Arbeiterverein, der abermals eine grandiose Saison hinlegt und den Glaube an erfolgreichen deutschen Hauptstadtfußball am Leben hält. Gemeint ist aber die andere Top-Mannschaft, die etwas weiter im Stadtinneren die Bälle lang schlagen und zu oft im Abseits stehen. Laut einem Beitrag der SZ gibt es nichts Einenderes für die Herren und Damen im Bundestag als das rollende Leder, bzw. sogar das deutsche „Classico“, das Spiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund. In der Politikwissenschaft wird oft von Repräsentationslücken geschrieben, bspw. sind bestimmte Schichten und Milieus, Menschen mit Migrationshintergrund, oder auch niedrigere Bildungsabschlüsse proportional unterrepräsentiert. Der Volkssport Fußball und die Vereinen der Bundesligen scheinen aber ausreichend bis überrepräsentiert. „Fußball sei immer ein schneller Einstieg für politische Gespräche, sagt (Lars) Klingbeil (SPD).“ Das mussten viele Fußballfans schon leidig selbst erleben. Schön zu sehen, dass der Fußball anscheinend sogar Bundestagsabgeordnete dazu bringt sich über Politik zu unterhalten.
