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  • Die Saisonprognose

    August 28, 2026
    linusspringer

    Die Bundesliga-Saison steht vor der Türe, heute Abend geht es los mit dem vielbesungenen Eröffnungsspiel. Sind die diversen Managerspiel-Mannschaften aufgestellt, die Tippspiele bearbeitet, neue Lieblingsspieler auserkoren? Dann fehlt nur noch die Prognose, wie die Saison denn auszugehen gedenkt. Nichts braucht man nämlich mehr, als das Ende des Stücks schon vor dem fallenden Vorhang zu kennen.

    Zunächst aber braucht es eine Prognose für die Prognose. Wie immer wird diese zu der Zeit, wenn das orakelte eingetreten sein sollte, gewogen und eigentlich wie fast immer, für zu leicht befunden. Lediglich ein paar Prognosen bleiben bestehen, nämlich jene, die so grottenfalsch waren, dass man einfach nur drüber lachen kann. Und jene, die wundersamerweise tatsächlich Recht behalten haben. Da ist es das Orakel selbst, dass unter Bezug auf die eigene Potenz in Sachen Fachwissen prahlt und auf Lob sinnt. Was eigentlich immer in einem bemitleidenswerten Lächeln endet, denn niemand mag Angeber und niemand mag Leute, die Recht behalten haben und das einem unter die Nase reiben.

    Damit ist es auch höchste Zeit für die Prognose der Seitenlinie, die an der einen oder anderen Stelle seriös, andernorts aber durchaus alternativ auftritt. Immer in der Hoffnung, zu keiner der beiden Kategorien zu gehören, an die nach dem ersten Spieltag noch jemand zurückdenkt.

    Die wichtigste Frage wollen wir zum Start klären: Wird es spannend? Spoiler: Nein. Gut, danke, dann weiter. Die Bayern sind einfach zu stark, was die Kaderbesetzung betrifft. Daran ändert auch der Fokus auf die Champions League nichts. So viele Verletzungen kann man gar nicht anhäufen, dass diese Ansammlung an Spielern auf das Niveau der anderen Mannschaften zurückgestuft wird.

    Dann schnell ans andere Ende der Tabelle: Zwei der drei Aufsteiger müssen wieder runter. Wer, wird nicht verraten, das wollen wir Elversberg und Paderborn nicht antun. Einer von beiden wird sich aber noch in die Relegation retten können (Was aber auch nichts bringt), denn Köln hat sich nachhaltig auf ein Mandat in Liga zwei beworben. Die eruptive Domstadt wird sich emotional wieder von ihrer besten Seite zeigen, zwischen Europapokalträumen und Abstiegsangst wanken und am Ende wieder mal dem Teufel die Hand schütteln. Vielleicht geht El Mala ja mit ins Unterhaus.

    Die wichtigen Entscheidungen sind damit vorausgesagt, da können wir den Blick etwas weiten. Die Lieblinge der Nation, Leipzig und Hoffenheim, werden sich national wieder von einer guten Seite zeigen, wobei die Dosen das etwas besser hinbekommen. International dagegen wird alles Red Bull der Welt nicht helfen, an das marode Gerät Flügel zu montieren, beide Teams werden in guter alter Tradition nach der Ligaphase die Segel streichen müssen. Bleibt wenigstens wieder Zeit, in der Bundesliga die Arenen zu füllen.

    Ein wesentlich schwierigerer Tipp ist da schon die sogenannte Überraschung der Saison. Was allein an der Bedeutung des Wortes „Überraschung“ liegt. Wäre das ganze nicht überraschend, könnte man es ja leicht vorhersagen. Was dann aber wiederum auch keine Überraschung mehr wäre. Demnach ist der Titel „Überraschung der Saison“ wohl eher etwas für eine Retrospektive. Allerdings bietet diese Kategorie auch den meisten Nährwert für die „Ich-hab-es immer-schon-gewusst“-Reden nach der Spielzeit, weshalb man sich ihr auch nicht ganz entziehen kann, erst Recht nicht mit etwas Halbwissen in den ansonsten leeren Taschen. Um dem Ganzen gerecht zu werden, sollte man vielleicht eine Mannschaft würfeln, da wäre das Ergebnis im Moment des Aktes dann wenigstens überraschend. Auf der anderen Seite kann man sich, so heißt es jedenfalls, auch immer mal wieder selbst überraschen. Jedenfalls dann, wenn man sich nicht gut genug kennt. Das endet dann in einem sogenannten „Aha-Moment“ sich selbst gegenüber und der Erkenntnis, dass da irgendwie wohl doch noch jemand anderes in einem steckt. Zumindest szeneartig. Denn wenn man danach mal in sich geht, um denjenigen näher kennenzulernen, quasi um dem Tipp die Überraschungsfähigkeit zu nehmen, dann merkt man meist, dass man in Bezug auf seine eigene Vorhersehbarkeit doch meist richtig liegt. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Und auf welche Mannschaft trifft das umschriebene Gedankenspielchen zu? Richtig, auf die Augsburger. Dementsprechend wird der FCA zur vorhersehbaren Überraschung auserkoren, zur unerwarteten Prognose.

    Man könnte jetzt auch noch die anderen Mannschaften haarklein tabellarisch positionieren, aber die Kicker-Stecktabelle soll ja nicht jetzt schon fertig sein. Ein bisschen Arbeit muss über das Jahr doch noch investiert werden, zumindest bis Spieltag zwei.

  • Ein Fan braucht niemals Pause

    August 2, 2026
    benediktkastner

    Die Saison 2025/26 ist seit einigen Wochen bereits vorbei, mit wenigen Ausnahmen. Das gilt natürlich nur für die Ligen, die einen Saisonbetrieb nach ‚europäischem“klassischem“ Vorbild spielen, d.h. von Spätsommer/Herbst bis Frühjahr, mit einer unterschiedlich langen Winterpause. In Schweden bspw. wird die Saison von Frühjahr bis Herbst gespielt, um so gut es geht den Skandinavischen Winter zu umgehen. Die USA hätte für solche Rahmenbedingungen schon längst beheizte Stadien „erfunden“, um von solch Kleinigkeiten unbeeindruckt mit dem Kopf durch die Wand zu laufen. Wir haben es auch kollektiv überstanden, dass in ebenjener USA die Weltmeisterschaft 2026 zu Ende gegangen ist. Und das ganz ohne größere und gröbere Zwischenfälle, ein tolles Fest, das uns allen freudig in Erinnerung bleiben wird und wir deswegen nie wieder davon schreiben wollen. Das schreit alles ein wenig nach Pause, mir geht es zumindest so.

    Und in genau diesen Momenten, schalte ich dann auch ein wenig ab. Ich kümmere mich nicht um den Transfermarkt (zu Beginn der Saison merke ich ja, wer fix wohin gewechselt ist), wechsle auch nicht Sportarten, sondern warte geduldig, bis es irgendwann wieder weitergeht. Ich schaue auch nicht nach dem Startdatum der kommenden Saison, das kommt alles von alleine. Und zack, ist der erste Spieltag der Regionalliga auch schon passiert, lediglich durch Zufall mitbekommen. Der zwangsabgestiegene, ewigkeitskrisengebeutelte TSV 1860 München hat seinen Auftakt in die erste Amateurliga ohne mein Wissen mit erwartbar magerem Ergebnis (Unentschieden gegen den regulären Absteiger Schweinfurt) hinter sich gebracht.

    Und da fällt wieder einmal etwas auf: Es gibt diese Verrückten (liebevoll gemeint). Diejenigen, die die Pause nicht brauchen, zum Teil gar nicht leiden können. Vermutlich auch weil Sie sich selbst in dieser Pause nicht recht leiden können. Die genau wussten, dass es wieder losgeht in der Regionalliga Bayern, und sich in Blau-Weiß auf den Weg nach Schweinfurt gemacht haben, um ihr Team zu begleiten und zu unterstützen, Fans. Rund 3000 von Ihnen sind zum Auswärtsspiel der Löwen gereist, trotz der Umstände (oder aber vielleicht genau wegen ebendieser) die den Zwangsabstieg des Vereins bedingten. Die Zahl ist deshalb auch so beeindruckend, da in der vergangenen Saison das Team mit den durchschnittlich meisten Auswärtsfans die Mannschaft des FC Bayern II war (welch Ironie), mit im Schnitt 244 mitgereisten Anhängern.

    Ob es sich hält, dass der blau-weiße Pulk mindestens jede zweite Woche quer das Bundesland reist, wird sich erst zeigen, es ist auf jeden Fall eine Ansage zum Auftakt. In einer Zeit des infantinosierten Fußballs ist es vernünftig beständig das Augenmerk auf eine der wichtigsten Komponenten des Sports, und in unserem Fall des Fußballs zu werfen, den Fan und die Fans. Was sind sie, was können sie und was wünsche ich mir von ihnen?

    Fans sind soziologisch gesehen nicht Teil eines „normalen“ Publikums. Das wissen Soziologisch*innen, aber das wissen auch die Fans und das restliche Publikum selbst, ohne Definitionsversuche. Die in den Sozialwissenschaften dennoch relevant sind, und bei deren Versuchen schöne Ergebnisse rauskommen, wie der Sammelband Fans: Soziologische Perspektiven von den Herausgebern Jochen Roose, Mike S. Schäfer und Thomas Schmidt-Lux. Zu Beginn werden hier zwei Definitionen vorgeschlagen, eine Nominaldefinition (Was ist mit dem Begriff gemeint?) und einer Realdefiniton (Was macht das Beschriebene aus?). Die Autoren verstehen „Fans als Menschen, die längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für sie externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen oder abstrakten Fanobjekt haben und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Zeit und/oder Geld investieren“(Roose et al, 4). Hier wird der oben angedeutete Unterschied zwischen den Löwenfans und mir deutlich, der TSV fungiert hier jetzt als Veranschaulichung und kann durch andere Vereine (und sogar Sportarten) ausgetauscht werden. Man natürlich auch außerhalb von Sport ein Fan von jemandem oder etwas sein. In Deutschland verstehen sich über die Hälfte der Menschen allerdings tatsächlich als Fan in Verbindung mit dem Sport (ebd., 10).

    Die Online-Befragung von Fans in Deutschland zeichnet ein Bild von Fans als Menschen, die sich mit einigem Aufwand ihrem Fanobjekt zuwenden. Die Begeisterung der Fans ist dabei der Kern ihrer Fanbeziehung, aber meist nicht mit völliger Hingabe im Sinne kritikloser Imitation verbunden. Fan-Sein bedeutet, in einem nennenswerten Teil seiner Freizeit die Geschicke des Fanob­jektes zu verfolgen, Informationen zu sammeln, sich mit anderen über das Fanobjekt auszutauschen und oftmals auch, das Fanobjekt zu unterstützen oder Zugehörigkeit zu demonstrieren. Zudem wird deutlich, dass die Palette möglicher Fanobjekte sehr breit ist – Fan kann man scheinbar von fast allem werden (ebd., 11).

    Man kann evtl. von fast allem Fan sein, sobald man dann aber ein Fan eines bestimmten Fußballvereins geworden ist, löst sich diese scheinbare Beliebigkeit sehr schnell auf. Dann wird wie in der ersten Definition festgehalten, viel Geld und Zeit investiert für genau dieses Fanobjekt. Durch beides, das investierte Geld und die investierte Zeit, schaffen es Fans sich Macht anzueignen. Wie das? Sie werden gewissermaßen zu Prosumenten (eine Figur, die 1980 von Alvin Toffler erfunden wurde und sich als Begriff aus der Vorsilbe von Producer und dem Stammwort von Consumer zusammensetzt), und sind durch ihr Wissen und ihren finanziellen Beitrag mit dafür verantwortlich ihr zu verkonsumierendes Fanobjekt selbst herzustellen. Kommen keine Fans, ist das Stadion leer. Legt sich keiner ein Streaming-Dienst-Abo zu, schaltet keiner ein. Wenn man sich aber umgekehrt zusammentut, um sich grassrootsartig um den Erhalt seiner Leidenschaft zu kümmern, kommen schöne Dinge bei rum. Wie beispielsweise bei der Fanaktion Mitte Juli“Giesing hält zam„, wo einige Bars und Kneipen im Münchner Stadtteil Giesing eine Aktion hatten, bei der 60% des Erlöses an die Löwen gespendet wurde. Ab 22 Uhr waren einige der Läden ausverkauft. Um den Verein vom Investor endgültig zurückzuholen, wurde auch eine Crowdfunding-Kampagne durchgeführt, dessen Resultat jetzt ein wunderbarer Schriftzug auf dem neuen Löwentrikot ist: „FOOTBALL FOR THE PEOPLE“.

  • Endlich ist das Ding vorbei

    Juli 21, 2026
    linusspringer

    Es hat über fünf Wochen gedauert, jetzt aber ist die Weltmeisterschaft in den USA (waren Kanada und Mexiko überhaupt dabei?) endlich vorbei. Endlich, weil sich eine Müdigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Turnier eingestellt hat, die man als Kenner des Sommermärchens und anderer magischer Nächte nicht für möglich gehalten hat. Und das nicht nur, weil die deutsche Nationalmannschaft wieder einmal enorm schlecht abgeschnitten hat.

    Der Fußball-Weltverband hat es geschafft, sein wichtigstes Produkt zu einem Marketingsubjekt zu degradieren, dessen Ausmaß an Unverfrorenheit und Dilettantismus die Trikots der österreichischen Bundesligisten als werbefreie Vintage-Produkte dastehen lässt. Darüber hinaus hat Welteneroberer Gianni Infantino endlich das Unschuldsmäntelchen fallen lassen, das über der Politik im Sport oder dem Sport in der Politik hing, denn nach diesem Turnier kann keiner mehr leugnen, dass Fußball ein Ballgeschiebe der Funktionäre, nicht der Spieler ist. Bereits in unserem Zwischenfazit zur WM hatten wir das Ausmaß der Verschmutzung thematisiert, ohne dabei voraussehen zu können, welche Spitzen das Ganze noch erreicht. Etwas kritische Reflexion beim Autor ist deshalb angebracht, wenngleich, wie später noch zu zeigen ist, die Glaskugel auch ihre Wahrheiten hat durchblicken lassen.

    Doch der Reihe nach, wir versuchen, die mannigfaltigen Erfahrungen dieser WM nochmal Revue passieren zu lassen. Diverse Teams hatten Probleme bei der Einreise in die USA, von Zurückweisungen bis hin zu schikanierenden Kontrollen war alles dabei. Von den Fans ganz zu schweigen. Den Iran hat es darunter noch am schwersten getroffen, die Mannschaft durfte sogar nur zu den Spielen kurzfristig rein und raus, inklusive verbaler Bedrohung des leiblichen Wohls von Giannis Panzerknackerkollegen.

    Danach sind die durchaus fragwürdigen Entscheidungen der Unparteiischen zu nennen, insbesondere derer vor dem Bildschirm, die bei prominenten Spielern und Mannschaften bei ähnlichen Situationen auf unverständliche Weise zu anderen Ergebnissen gekommen sind als bei weniger benötigten Akteuren der Marketingmaschinerie. Nicht zuletzt Finalteilnehmer Argentinien hat sich so ins Zentrum der Verschwörungstheorien gespielt, Messi bekam gegen Algerien keine Rote Karte, Ägypten wurde ein korrektes Tor aberkannt, das Banner nach dem Halbfinalsieg gegen England fand keine Konsequenzen in Form von Sperren (was aber weniger am Schiedsrichter, sondern an der FIFA lag), und auch das vermeintliche Führungstor Spaniens in der Verlängerung wurde zumindest fragwürdigerweise zurückgenommen. Bei all dieser Unterstützung muss man fast froh sein, dass die Argentinier mit ihrem Anti-Fußball nicht noch Weltmeister geworden sind, gerade wenn man sieht, wie sie sich in der Niederlage mit Prügeleien und Respektlosigkeiten verhalten haben, worauf aber schon das Verhalten nach dem Sieg gegen England hingedeutet hat. Da ist es dem über allen Zweifel erhabenen Luis de la Fuente mehr zu gönnen, ist er doch einer der Wenigen, der einzuordnen weiß, worum es beim Fußball geht und wie man Mensch ist. Und wenn wir schon bei den wenigen Positivbeispielen sind, muss auch Borja Iglesias hervorgehoben werden, der übrigens exakt eine Minute, nämlich gegen Portugal, auf dem Platz stand. Ohnehin sind seine Leistungen abseits des Spielfeldes aber höher einzuschätzen, hatte er doch bereits vor dem Finale kundgetan, aus Angst vor der Inhaftierung Trump im Falle eines Sieges zwar die Hand schütteln zu müssen, dabei aber jedoch auf jegliche Höflichkeit verzichten zu wollen. Und so kam es dann auch, der Gruß fiel maximal kaltherzig aus, der Stürmer ignoriert dabei sogar die Ansprache des Rotblonden und vermeidet Augenkontakt. Immerhin irgendjemand zeigt Haltung.

    Nun aber leider zurück zu weiteren moralischen Verwerfungen, denn davon gab es wesentlich mehr als. Wo schon die fehlende Sperre für Lisandro Martinez und Giovani Lo Celso nach dem England Spiel wegen des Banners zu den Falkland-Inseln thematisiert wurde, darf natürlich die fehlende Sperre für Folarin Balogun nicht unerwähnt bleiben, wobei der Spieler wirklich am allerwenigsten dafürkann. Eigentlich war der Angreifer durch eine vollkommen berechtigte Rote Karte für das Achtelfinale gegen Belgien gesperrt, doch ein Anruf von Donald bei Gianni sorgte dafür, dass der Weltverband die Sperre zur Bewährung aussetzte. Ein einmaliger Vorgang in jeglicher Dimension. Allein, dass so etwas möglich ist. Aber Gianni hat den Donald eben lieb und braucht ihn darüber hinaus auch noch. Für Freunde setzt man doch Berge in Bewegung.

    Zuletzt will der Autor gegen jede Faser seines Körpers noch auf die Monetarisierung des Events eingehen, obwohl es ihm allein bei der Erwähnung dieses Terminus die Fingernägel nach oben schraubt. Von den Ticketpreisen angefangen hat sich die WM zu einem Event der Reichen und Schönen entwickelt, das seinen Höhepunkt in einer abstrusen Playback-Show in der Halbzeit des Finals gefunden hat, für die die FIFA ihre eigenen Regeln brechen musste. Da wäre ein Hydration-Break mal ausnahmsweise angebracht gewesen. Und so ist auch die Müdigkeit und Gleichgültigkeit zu erklären, denn diesen totalen Overkill, mit dem Infantino noch die kleinste Münze rauskitzelt aus dem Spiel mit dem runden Leder, kann ein normaler Fan, eine normale Anhängerin nicht unbeschadet überstehen. Das kann darüber hinaus auch nicht ewig gutgehen, denn irgendwann ist die Spitze erreicht, wenngleich es schon noch so aussieht, als würde die FIFA noch ein paar Ideen im Schrank haben. Bis dahin wird man sich leider darauf gefasst machen müssen, dass mindestens der internationale Fußball auf der Streckbank noch ein paar Umdrehungen machen muss, bis alles sein wohlverdientes Ende findet.

    Das gilt auch für diesen Artikel, der, auf sein Ende wartend, noch etwas überstrapaziert wird. Aber, die Sache mit der Glaskugel muss noch aufgeklärt werden. Im erwähnten Zwischenfazit der WM fällt am Ende nämlich diese Vorausschau: „Und so ist am Ende nur zu hoffen, dass das Turnier halbwegs sportlich endet. Und Donald Trump bei der Pokalübergabe Mist baut. Einen Hoffnungsschimmer hat man immer.“ Und da muss man sagen, es war viel Wahres dran. Das Turnier ist halbwegs sportlich zu Ende gegangen (Boxen ist ja auch ein Sport). Und Donald hat Mist gebaut bei der Pokalübergabe. Denn nachdem er Kapitän Rodri das Ding übergeben hatte, musste er erst vom wütenden spanischen Kapitän an den Rand zitiert werden, wo er sich aber nach wie vor auf das Siegerfoto schleichen wollte. Was dazu führte, dass sein bester Freund Gianni in bester Woody-Woodpecker-Manier einmal über die Bühne hoppeln musste, um ihn sanft aus der Kamerareichweite zu führen. Hoffentlich hat das zu keinem Streit im Paradies geführt. Und wenn in ein paar Jahren, Jahrzehnten oder Jahrtausenden einmal jemand fragt, wie der Weg zum Untergang des Fußballs ausgesehen hat, dann kann man einfach diesen Clip vom Hoppelgang Infantinos vorspielen und alles ist erklärt.

  • Alles Gute (und Schlechte)

    Juni 30, 2026
    benediktkastner

    Am 4. Juli 2026 feiern die Vereinigten Staaten von Amerika ihr 250. Jubiläum. Die älteste bestehende Demokratie – wenn man geflissentlich die Demokratiedefizite der Nation in ihren Anfängen übersehen möchte – ist spätestens seit dem 4. Juli 1776 ein Phänomen welches polarisiert, im Guten wie im Schlechten. Ein „Theater des Absurden“ war die USA auch stets, nur konnte man dem Absurden oft auch Herrliches und Aberwitziges abgewinne, der momentane Präsident verwischt zunehmend die Grenzen zwischen dem rein Absurden und dem lachhaft-Traurigen. Ganz neu und doch nach altbewährtem Schema versucht er die – schon lange im Vorhinein geplante – 250 Jahr Feier zu kapern und für sich und sein Ego zu vereinnahmen. Anstatt der deutlich überparteilicheren (bi-partisan) Bicentennial-Feier 1976, die allgemein als recht inklusiv und verbindend wahrgenommen wurde, kritisieren Historiker jetzt vielfach (und zurecht), dass mit der anstehenden Feier die amerikanische Geschichte zunehmend in einer stark vereinfachten und christlich-nationalistischen Erzählung dargestellt werde, während vieles aus der US-Geschichte einfach weggelassen wird. Und nach den (ohnehin schon problematischen) Founding Fathers thront jetzt der Kult König am Rand der Feier.

    Es gibt einige Museen und kulturelle Einrichtungen, die versuchen dem Ganzen entgegenzuwirken, genau so wie auch einige Staaten versuchen sich von einer nationalen Feier abzugrenzen. Die Geschichte der USA mit all ihren Widersprüchen – etwa Sklaverei, Bürgerrechte und auch Migration – kann und sollte differenziert dargestellt werden. Ich möchte hier auch auf ein sehr schönes Projekt von Heather Cox Richardson verweisen, eine amerikanische Historikern, die mehrmals wöchentlich den Substack „Letters of an American“ schreibt. Mit Blick auf das anstehende Jubiläum hat sie eine YouTube Playlist kuratiert, bei der sie teils sehr berühmte Leute in kurzen Videos bedeutsame Ereignisse und Personen in der US Geschichte vorstellt. Bspw. die Gründung von Washington D.C., die Errichtung des Erie Kanals, oder Harriet Beecher Stowe. Sie beschreibt das sehr schön mit den Worten:

    From the time of our country’s founding 250 years ago, the story of America has been one of the constant efforts of Americans—from all races, ethnicities, genders, and abilities—to make real the belief that we are all created equal and have a right to have a say in our democracy. We will be telling their stories over the next several weeks because now, as ever, “We Are America.” #WeAreAmerica250

    Sie deutet an, wie unterschiedlich die Herkünfte, Einflüsse und Ideen der einzelnen Personen waren und sind, die diese Geschichten geschrieben und erzählt haben, und noch erzählen werden, sofern man sie hören möchte. An diesem Punkt ein Schwenk auf das andere große Ereignis, welches zwar historisch gesehen nicht ganz so bedeutend sein wird (hofft der gesamte DFB), allerdings auch einen großen Raum auf internationaler Bühne einnimmt, die Fußball-Weltmeisterschaft. Sie findet zwar auch in den Nachbarstaaten Kanada und Mexiko statt, ich möchte mich aber auf die USA konzentrieren wegen nachfolgender Beobachtung. Eine WM in der USA auszutragen ergibt absolut Sinn!

    Es ist die größte WM, die jemals ausgetragen wurde, logistisch gesehen machbar ist so etwas in einem der größten und reichsten Länder der Welt, bei denen die beeindruckenden Stadien beeindruckende Milliarden-Beträge gekostet haben und man bei jeder Übertragung eines Spiels in zwei Bildschirme gleichzeitig schaut, da die Leinwände innerhalb der Stadien gigantisch groß sind. Die USA ist ein Land der Superlative, alles muss also gigantisch groß ausfallen. Die USA ist Hauptgastgeber, die meisten Spiele finden also dort statt, und mit dem Start und dem Finale des Turniers hat man sich das idyllische New Jersey ausgesucht. Der Blick vom MetLife Stadium – für die WM umbenannt in das New-York-New-Jersey-Stadion – auf die im neuen Namen enthaltende Nachbarstadt ist wieder eines dieser Dinge, die man mit gigantisch beschreiben muss. Es ist der Blick auf die Stadt, die sich als „the greatest city in the world“ beschreibt, eine Stadt die nie schläft, weil die Luft flimmert, weil immer etwas passiert. Diese romantisierte Selbstbeschreibung hält sich auch deswegen so hervorragend, weil es dieser Stadt gelingt, eine Projektion aller Hoffnungen in eine Idee, was Amerika sein könnte, zu verwirklichen. Es ist eine amerikanische Großstadt mit multikultureller Vielfalt, die sich in von Migration unterschiedlich geprägten Vierteln zeigt, die dann Namen tragen wie Chinatown, oder Little Italy. Während diese beiden Beispiele die vermutlich berühmtesten sind, zeigt sich während der Gruppenphase des DFB, wie wundervoll sich die Migrationsgeschichte der Amerikaner in den Fußballstadien entfalten kann. Als Deutschland gegen Ecuador spielte, feierten einige New Yorker ihre Wurzeln bei diesem tollen Spiel in dieser gigantischen Atmosphäre. In Queens – einem der fünf großen Bezirke New Yorks – wo viele Menschen mit ecuadorianischen Wurzeln leben, wurde durch die WM eine Verbindung sichtbar zwischen Herkunft und Gegenwart: Gelbe Trikots und Fahnen verwandelten New York und Umgebung (bspw. den Times Square) in ein kleines Ecuador mitten in den USA. Es ist genau diese Art von Migrationserfahrung, die den amerikanischen Gastgeber so besonders macht. Denn die WM bringt nicht nur die Welt als Gäste nach Amerika, sie zeigt eine Welt, die dort längst in all ihrer Vielfalt verwurzelt ist. Das macht die USA – das Land ohne allzu große Fußballkultur – zu einem idealen Gastgeber des größten Fußballturniers überhaupt: Nicht die eigene Fußballgeschichte ist so überzeugend und auch nicht notwendig, sondern die Geschichten von Millionen Menschen, die ihre eigenen Geschichten schon geschrieben haben. Diese Realisierung wäre ein großartiges Geschenk für den eigenen 250. Geburtstag. Alles Gute!

  • Die verschmutzte WM

    Juni 25, 2026
    linusspringer

    Es sieht so aus, als wäre die FIFA auf einer Mission. Seit längerem knackt sie ihre eigenen Highscores, doch der geübte Zocker strebt nach immer neuen Bestwerten. Der Fußball-Weltverband ist dabei auf der Suche nach der Antwort auf die Frage: Wie viel Schmutz verträgt eine Weltmeisterschaft?

    In diversen Punkten hat die FIFA in den vergangenen Jahrzehnten bereits Highlights gesetzt. Skrupellosigkeit, Korruption, Vetternwirtschaft, Sklaverei, Diktatur, Unterdrückung, Verblendung, all diese Begriffe sind dem Weltverband, und in jüngerer Vergangenheit vor allem seinem Gott Gianni Infantino, keine Fremdworte. Dennoch hat es die WM in den USA, Kanada und Mexiko geschafft, der Palette noch einen weiteren Farbtupfer zu bescheren, das natürlich, wie so oft, sehenden Auges. Denn im Gegensatz zu den vorherigen Turnieren, die trotz aller Kritik zumindest eines waren, nämlich sportlich fair, ist die diesjährige Weltmeisterschaft eine Ausgeburt an Wettbewerbsverzerrung.

    Die Beispiele dafür sind so vielfältig, es ist schwer, einen Anfang und ein Ende zu finden. Da ist zum einen das System mit den besten Gruppendritten, das es braucht, um dem anabolikaesken aufgepumpten Teilnehmerfeld Herr zu werden. Zusammen mit der unvermeidlichen Logik der möglichst TV-freundlichen Aufsplittung der Spieltage ergibt sich dadurch eine Matrix, in der die alphabetisch hinten stehenden Gruppen Vorteile haben. Denn hier wissen die Mannschaften schlicht, welches Ergebnis sie brauchen, um zu den glücklichen Drittplatzierten zu gehören, die sich im Sechzehntelfinale versuchen dürfen. Darüber hinaus ergeben sich aufgrund des engen Zeitrahmens eines Weltturniers kurze Zeitspannen für die Spielvorbereitung. Manche Mannschaften wissen keine zwei Tage vorher, gegen wen sie spielen. Dazu dann noch die Reisestrapazen, die sich aus dem kleinen geographischen Rahmen ergeben, den der Weltverband für sein diesjähriges Spektakel ausgewählt hat. So gehört das fiktive Beispiel „Montag Spiel, Dienstag mehrstündiger Flug mit Spielvorbereitung, Mittwoch Spiel“ zur Realität der WM. Die Lösung des Ganzen wird in Zukunft eine weitere Aufstockung des Teilnehmerfelds sein, damit es wieder aufgeht. Ein Glück.

    Zum anderen ist die komplizierte Einreisesituation ein signifikantes Hindernis eines fairen Wettbewerbs. Der Fall der iranischen Nationalmannschaft ist hinlänglich bekannt, sie darf ihre Basis in Mexiko für die Spiele in den USA nur für die Spieltage selbst verlassen und muss umgehend dorthin zurückkehren, wenn der Abpfiff ertönt ist. Das führt nicht nur zu erhöhten Strapazen, sondern auch zu einer gestörten Spielvorbereitung und Erholung. Garniert wird das Ganze durch unverhältnismäßige Kontrollen an den Grenzen, die sich offenbar auch in menschenrechtsfragwürdigen Regionen bewegen, mehrere Teams berichten davon. Mehreren Spielern unterschiedlicher Nationalität wurde zudem die Einreise zunächst komplett verweigert, darunter Breel Embolo aus der Schweiz. Mancher Funktionär oder Betreuer darf erst gar nicht kommen. All das gehört zu den Maßnahmen des Dreiviertel-Diktators im größten der drei Gastgeberländer, alles schön und gut, aber muss man dann ein Turnier ausrichten, bei dem es darum geht, dass Leute aus jedem Winkel der Erde anreisen? Man kann es ja auch lassen und freundlicheren Orten die Austragung überlassen. Katar zum Beispiel oder Saudi-Arabien. Klingt nach einem Scherz, aber bei aller Kritik an den politischen Verhältnissen vor vier Jahren (in den USA scheint in dieser Hinsicht übrigens alles in Ordnung zu sein), beschwert über irgendwelche Repressalien haben sich die Mannschaften nicht.

    Der zweite Komplex bekommt noch eine weitere Dimension, die zu absurden Situationen führt. Ghanas Thomas Partey ist wegen Vergewaltigung angeklagt, aus diesem Grund durfte er zum ersten Gruppenspiel seiner Mannschaft nicht nach Kanada einreisen. Die USA hingegen sieht darin kein Problem, was bei dem Führungsstab wenig überraschend sein dürfte, weshalb der Mittelfeldakteur dennoch nominiert wurde und ab Spieltag zwei als zentraler Spieler Ghanas fungieren kann. Die Mannschaft sollte also bitte so spielen, dass man nicht mehr im Land des Ahornblattes ran muss. Elye Wahi von der Elfenbeinküste stand vor einer ähnlichen Problematik vor dem Spiel gegen Deutschland, offenbar konnte er den Behörden seine laufende Anklage wegen Spielmanipulation aber ausreichend entkräften und durfte so nachreisen. Störend daran ist vor allem der riesige Flickenteppich an Einzelsituationen und Unsicherheiten, die sich rein aus dem Gusto der gastgebenden Länder ergibt. Vergewaltiger nicht einreisen und mitspielen zu lassen ist natürlich begrüßenswert, dann aber doch bitte konsequent und nicht nur in einem Gruppenspiel. Und wäre es nicht schön, wenn generell keine Straftäter mitspielen würden? Dann wären aber vermutlich auch nur halb so viele Mannschaften dabei. Und logischerweise hätte dann auch die FIFA mit ihren Funktionären Probleme bei der Einreise. Oder der amerikanische Präsident, aber das ist eine andere Geschichte.

    Als letzten Baustein der Verschmutzung hat sich die FIFA ein absurde Regelauslegung zu eigen gemacht. Manche Spieler werden in vergleichbaren Situationen für das Zuhalten des Mundes per VAR mit Rot vom Platz geschickt (Almiron, Paraguay). Manche Spieler nicht (Bellingham, England). Gleiches gilt für die Intervention bei Roten Karten. Messi ist seinem Gegenspieler natürlich komplett unabsichtlich von hinten auf das Wadenbein gestiegen und hat das bis zum Anschlag durchgedrückt. Andere Akteure wie der Mexikaner Montes werden für vermeintliche Notbremsen direkt runterbeordert. Vor dem Turnier wurde die Sperre von Cristiano Ronaldo für einen Platzverweis in einem Testspiel aufgehoben, sonst hätte er die ersten beiden Partien gefehlt. So ähnlich erging es Chelsea-Akteur Caicedo bei Ecuador. Katari Madibo dagegen wird für sein Foul gegen Kanadas Kone für harte fünf Partien gesperrt. Das Einsteigen war rüde, allerdings sehen die Regeln eigentlich, insbesondere für einen reuigen Sünder wie in diesem Fall, zwei, maximal drei auszusetzende Spiele vor. Und so lässt sich fragen: Sind große und werbewirksame Namen geschützt, während vermeintlich kleine Spieler und Nationen für die harte Hand herhalten müssen? Es käme nicht überraschend.

    So richtig zu interessieren scheint das Ganze aber niemanden, von ein paar Medienberichten abgesehen. Man darf sich an die Rufe der Öffentlichkeit erinnern, als es um die WM in Katar ging. Damals ist Deutschland aber auch nach der Vorrunde ausgeschieden, was natürlich nur an den äußeren Umständen lag. Dementsprechend sind politische Botschaften tunlichst zu vermeiden, damit man endlich wieder Stolz sein kann auf sein Land, ach, was haben ordentliche Nationalstaaten doch für einen Charme.

    Was bereits jetzt von dieser WM bleiben wird ist das Chaos und die Ungerechtigkeit, in der Nachschau wird sie, im Zusammenhang mit den politischen und sozialen Verhältnissen (was ist den an Fußball bitte politisch?) eine traumhafte Analysebasis für Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen bieten. Und so ist am Ende nur zu hoffen, dass das Turnier halbwegs sportlich endet. Und Donald Trump bei der Pokalübergabe Mist baut. Einen Hoffnungsschimmer hat man immer.

  • Wetten dass, das nicht gut ausgeht?

    Mai 31, 2026
    benediktkastner

    Dieser Text soll sich mit Sportwetten befassen. Allgegenwärtig sind sie als Werbung aus keinem Highlight-Video, keiner Vorberichtserstattung und keiner Halbzeitpause wegzudenken. Beginnen möchte ich allerdings gerade nicht bei dem Allgegenwärtigen, dem Offensichtlichen und Bekannten, sondern im Iran. Zum einen, zum anderen aber verbunden mit der Weite des Internets, dem großen Tummelplatz vereinzelt guter Ideen, vielen Blödsinns und des weit offen klaffenden Abgrunds der Menschheit. Ende Februar 2026 startete die Trump Administration, zusammen mit Israel, einen militärischen Angriff auf den Iran, zuvorderst seine militärische Infrastruktur, aufgrund massiv schlechter Vorbereitung und Planlosigkeit schlugen bald im ganzen Land Bomben dieser Koalition ein, unter anderem in einer Grundschule. Einen Tag vorher wurden etliche Wetten auf ebenjenen Angriff auf der Plattform Polymarket platziert.

    Polymarket, one of the world’s largest prediction markets, allows its users to wager anonymously on just about any future event, including elections and sports. It has also allowed betting on war, and since the end of last year more than $529 million has been traded on predictions of when the United States would attack Iran next, after it struck Iranian nuclear facilities last June.

    A New York Times analysis of Polymarket data over that period found that it was relatively uncommon for someone to bet a significant sum of money that a U.S. strike would happen by the next day.

    But over the course of Friday, more than 150 accounts placed hundreds of bets of at least $1,000, correctly predicting an American strike on Iran by Saturday.

    https://www.nytimes.com/2026/03/03/upshot/prediction-markets-iran-strikes.html

    Einige der Accounts, die an dieser Wettwelle teilnahmen verdienten ordentlich Geld mit dieser richtigen Vorhersage, vermutlich mit Insider-Wissen. Dieses Event erscheint ungewöhnlich, ist es aber nicht. Gerade Plattformen wie Polymarket kommerzialisieren die weite Welt und sezieren aus ihr unübersichtlich viele Online-Wett-Märkte. Während des Iran-Kriegs flossen Hunderte Millionen Dollar in ebenjene Märkte. Beobachter warnen dabei vor ethischen Problemen, weil reale militärische Eskalationen (und das Leben von Menschen!) plötzlich als Anlageklasse erscheinen. Diese Entwicklung zeigt besonders deutlich das Problem, was Wetten und gerade diese, die Online getätigt werden für uns als Gesellschaft in der Zeitdiagnose bedeuten. Alles wird zur Quote! Alles kann jeden Moment zur Quote werden! Die konstante Verfügbarkeit zu Wettportalen macht es möglich und birgt große gesellschaftliche Risiken, zeigt sie sich doch als Phänomen von individuellem und kollektivem Verlust.

    Individuell zeigt sich der Verlust dort, wo Menschen verloren gehen. Wo wir sie an eine Sucht und Abhängigkeit verlieren und dabei zusehen können, wie sich die Menschen psychisch, aber auch materiell (vor allem finanziell) zugrunde richten. In der April Ausgabe des The Atlantic mit dem Titel „SUCKER – My year as a degenerate gambler“ schildert der Journalist McKay Coppins einen Selbstversuch, bei dem er eine NFL-Saison lang mit einem von seiner Redaktion bereitgestellten Budget auf Sportereignisse wettet. Er möchte dabei etwas über den Boom der Sportwetten in den USA herausfinden, welcher sich abzeichnet nach der Legalisierung von Sportwetten im Jahr 2018. Seine persönlichen Erfahrung mit den Mechanismen dieser Branche sind sehr eindrücklich, auch weil sie einen Sog beschreiben, welcher sich für ihn (Familienvater, vier Kinder, politischer Journalist, praktizierender Mormon, vorher kaum Berührung mit Glücksspiel) so nicht zeigen sollte. Im Verlauf seines Experiments stellt Coppins fest, wie sich sein eigenes Verhalten verändert. Er verbringt immer mehr Zeit mit Quoten und Statistiken, sowie sämtlichen Möglichkeiten zu wetten, während seine Familie bemerkt, dass er gedanklich zunehmend von genau diesen eingenommen wird und sich von anderen Menschen entfernt. In seinem Artikel argumentiert er deshalb, dass die Sportwettenindustrie nicht in erster Linie Gewinne verkauft, sondern Aufmerksamkeit. Die Apps funktionieren nach ähnlichen Prinzipien wie soziale Netzwerke: Sie sollen Nutzer möglichst lange beschäftigen und immer wieder zu neuen Entscheidungen verleiten. Sport wird dadurch weniger als gemeinsames Erlebnis wahrgenommen, sondern zunehmend als Rohstoff für permanente Spekulation. Ein Rohstoff, der nicht sich, sondern das Leben der Konsumierenden verbraucht.

    Interessant für uns und diesen Artikel ist somit auch wie Coppins beschreibt, wie bereits kleine Einsätze dazu führen, dass er Spiele plötzlich mit deutlich größerer Aufmerksamkeit verfolgt. Wir lernen durch ihn, dass moderne Sportwetten nicht mehr viel mit dem klassischen Wettschein zu früheren Zeiten zu tun haben. Über Apps stehen Wettmöglichkeiten rund um die Uhr zur Verfügung, ergänzt durch Live-Wetten und zusätzlichen Gimmicks, sowie natürlich jederzeit Push-Benachrichtigungen. Das Spiel selbst wird dabei in nahezu unzählige Einzelereignisse zerlegt, auf die jederzeit gesetzt werden kann. Es sind daher nicht nur die individuellen Folgen, die für bspw. Coppins (bzw. seine Familie) einen Gefahr auf Verlust darstellen können. Durch die Art und Weise wie die Sportwettenlogik das Spiel seziert um gezielt und vor allem jederzeit (!) Wettangebote machen zu können, ergibt sich ein kollektiver Verlust, da wir insgesamt den Sport aus den falschen Gründen verfolgen.

    Um auf das Eingangsbeispiel, den Angriff auf den Iran und konsequentiellen Kriegsbeginn, zurückzukommen, sehen wir, dass das Wetten selbst zum Sport und Ereignis wird. Es wird demnach egal, worauf und wozu da eigentlich gewettet wird. Ethisches, Kulturelles und damit auch Menschliches spielen gar keine Rolle mehr. Ein kollektiver Verlust, der uns die Fans und das Spiel raubt. Es bedarf mehr „schalt ein“ und „geh da hin“ und nie wieder dieses unsägliche „Wett ihn rein“!

  • Der alternative WM-Kader oder „Kann man auch anders entscheiden“

    Mai 27, 2026
    linusspringer

    Am vergangenen Donnerstag hat Bundestrainer Julian Nagelsmann das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bekanntgegeben. Endlich, muss man sagen, nach einer Verschiebung, diversen wahren und falschen Leaks und einer wirklich entwürdigenden Vorpräsentation einiger Akteure am Donnerstagmorgen lief das Ganze Gefahr, eine noch größere Farce zu werden als ohnehin schon. Die Vorabpräsentation lief über Videos von Nagelsmann ab, in denen der Coach die jeweiligen Spieler direkt anspricht. Die Szenen muten stromberghaft an, wer ein Problem mit unangenehmen Situationen hat, sollte lieber wegschauen. Mit Sicherheit reihen sich die Videos in der DFB-Hall-of-Fame direkt neben den Graugänsen ein, aber ein Museum will ja auch befüllt sein.

    Daneben, und vielleicht ist das auch der insgeheim beabsichtigte Effekt, ging die Kaderzusammenstellung bis auf wenige Personalien fast etwas unter. Weshalb wir uns das Ganze hier genauer anschauen wollen, sicherlich auch mit einer Portion Sarkasmus, an der einen oder anderen Stelle aber auch mit nie für möglich gehaltener Ernsthaftigkeit. Am Ende soll dadurch ein alternativer Kader für das Turnier stehen, der zumindest in den Augen des Autors nicht schlechter anmutet als der, der sich vorbehaltlich der Visa-Erteilung und Social-Media-Kontrolle, am Ende tatsächlich in Übersee aufhält.

    Tor:

    Die Nummer 1 ist natürlich Oliver Baumann. Der Hoffenheimer ist seit gefühlt ewig einer der besten Bundesligakeeper und hat zuletzt auch in der Nationalmannschaft das Tor regelmäßig gehütet. Warum sollte man den Stammkeeper, der nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich in Ordnung scheint, nicht zum Stammkeeper machen? Dahinter sind es natürlich die anderen guten deutschen Torhüter, die sich einen Platz erspielt haben. Das sind Alexander Nübel und Noah Atubolu. Der Stuttgarter spielt seinerseits schon länger auf einem hohen Niveau, die Freiburger werden nicht eine der, wenn nicht die, beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt haben, weil der Keeper blind ist. Zudem steht der erst … Jahre alte Atubolu auch schon für die Zukunft, Erfahrungen sammeln im Kreis der Großen kann nicht schaden. Im Sommer steht wohl auch der Wechsel auf die nächste Ebene des Vereinsfußballs an. Manuel Neuer genießt seinen Urlaub.

    Verteidigung:

    Wir wollen mit den offensichtlichen Nominierungen beginnen. Klar sind Kimmich, Tah, Schlotterbeck und Raum dabei, man könnte mit diesen vier eine tolle Kette bilden, der Spielaufbau wird sehr progressiv. Zudem dürfte es auch gegen tiefstehende Gegner mit den Flanken des Leipzigers, den Seitenwechseln des Dortmunders sowie den Chipbällen des Aushilfsrechtsverteidigers nicht an spielerischen Mitteln mangeln. Auch Thiaw übersteht den Cut vom „echten“ in den „unechten“ Kader, trotz seiner erst 24 Jahre hat er schon Erfahrung bei Milan und Newcastle, bei beiden Teams war er Stammspieler. Zur gleichen Riege gehört dann auch Bisseck, ein Jahr älter, aber nicht weniger Stammspieler bei Scudetto-Gewinner Inter Mailand. Es fällt seit längerer Zeit auf, dass Spieler aus der Serie A in Deutschland im Gegensatz zu früher kaum noch wahrgenommen werden. Das liegt natürlich daran, dass die Liga nicht mehr so hochklassig ist wie früher. Allerdings darf man die Mannschaften in der Spitze auch nicht unterschätzen, hier herrscht gerade kaderintern ein hoher Konkurrenzkampf. Da könnte man einen Spieler des Meisters schon mal berufen. Genauso ist die Lage bei Ginter. Der arme Mann spielt mit Freiburg die schon erwähnte überragende Saison, ist ohnehin seit Jahren Stammspieler, mit reichlich Erfahrung ausgestattet und zudem noch mit einem Kopf gesegnet, der auch in der Lage ist, nachzudenken. Vielleicht ist dieser aber auch schlichtweg nicht nötig. Das sieht nun zunächst nach vielen Innenverteidigern aus, allerdings sprechen mehrere Faktoren dafür. Da ist die Möglichkeit, mit einer Dreierkette zu spielen. Darüber hinaus hat 2014 gezeigt, dass man auch mal jemanden von innen rausziehen kann, wenn derjenige auch ein bisschen mitdenkt. Und zuletzt handelt es sich durchaus um eine Position, bei der eine Sperre im Verlauf des Turniers vorkommen kann. Ein weiteres Argument sind im Verlauf die noch zu nominierenden Spieler, von denen der eine oder andere durchaus die Außenbahn auch defensiver angehen kann. Als letzten Akteur der Riege „Verteidigung“ wird zudem noch Treu nominiert, sozusagen als Überraschungsgast. Auch er bei Freiburg Stammspieler, zudem auf beiden Außenverteidigerpositionen einsetzbar, bringt also die turnierwichtige Eigenschaft „Vielseitigkeit“ mit. Aus Freiburg heraus scheint es jedoch leider keine Fernsehübertragungen in das Wohnzimmer von Julian Nagelsmann gegeben zu haben in dieser Spielzeit, wenn dann das Stadion auch noch immer ausverkauft ist, was soll der Bundestrainer dann machen?

    Mittelfeld:

    Im Gegensatz zur aktuellen Didaktik, in der nur noch von zwei Kategorien, nämlich Verteidigung und Mittelfeld/Angriff die Rede ist, bleiben wir beim ursprünglichen dreigeteilten Schema der Feldspieler und reißen die Letztgenannte auf. Dementsprechend sind wir nun im Mittelfeld angelangt. Auch hier bleiben wir teilweise beim bewährten Personal, das sind namentlich Wirtz, Goretzka, Stiller und Nmecha. Die vier sind alle im Zentrum des Spiels beheimatet, haben jedoch alle unterschiedliche Profile und Stärken und sollten sich somit gut ergänzen bzw. in unterschiedlichen Spielsituationen zu gebrauchen sein. Danach greifen wir dann auf zwei Premier-League-Akteure zu. Der erste ist Stach. Der hat mit Leeds United unter Daniel Farke nicht nur eine bemerkenswert ruhige Saison für einen Aufsteiger gespielt. Darüber hinaus war er auch der zentrale Spieler und hat, sozusagen als Zusatzqualifikation neben der Schule, für sagenhafte Freistoßtore gesorgt. Diese Qualität sollte bei einem Turnier, bei dem gute Standards entscheidend sein können, wenn man jeder Vorberichterstattung und jedem Interview dazu glauben kann, von Nutzen sein. Mit Janelt ist der zweite England-Legionär der Überraschungen im Mittelfeld zwar nicht ganz so spektakulär, dafür aber vor allem eines: grundsolide. Und genau das braucht man im Mittelfeld für so ein Turnier auch mal, einen grundsoliden Teamplayer, der auch auf andere Position ausweicht. Kramer war 2014 sicherlich nicht wegen seiner Genialität dabei.

    Angriff:

    Damit sind wir dann auch schon vorne angelangt, wobei „vorne“ den Angriff meint und die Außenbahnen mit einschließt. Ganz so leicht zu trennen ist das Ganze dann doch nicht. Wieder soll es mit den auch von Nagelsmann berufenen Spielern losgehen, denn wenn sich zwei Fachmänner wie er und der Autor schon einig sind, dann scheint eine Nominierung wirklich verdient zu sein. Das sind Undav, Leweling, Beier und Havertz. Die Nominierung des Stuttgarter Stürmers darf bei der Torquote und bei dem Charakter außer Frage stehen, der Arsenal-Akteur hat seine Qualitäten ebenfalls hinreichend bewiesen und ist wieder fit. Bei den zwei verbleibenden Spielern aus Dortmund und Stuttgart greift, was bei der Verteidigung bereits gesagt wurde: Wenn es bei den Außenverteidigern eng werden sollte, können beide diese Position in einer Dreier- bzw. Fünferkette übernehmen, haben es auf Vereinsebene schon gespielt. Vielseitigkeit ist bei einem Turnier Trumpf. Ebenfalls für die Außenbahn und als erster „Neuer“ ist dann El Mala zu nennen. Als sogenannter Unterschiedsspieler in engen Situationen kann er von der Bank entscheidend sein. Wenn man in seiner ersten Bundesligasaison und dann auch noch in Köln so aufzaubert, dann muss das auch für den einen Kaderplatz beim DFB reichen. Ob wir den mal nicht vermissen, wenn es gegen Curacao in der 85. Minute 2:2 steht. In eine ähnliche Kategorie fällt Schade von Brentford. Dort ist der ehemalige Freiburger (vielleicht liegt die Nichtnominierung auch daran) absoluter Stammspieler, acht Tore und vier Vorlagen muss man in der teuersten Liga der Welt erstmal auf den Rasen bringen. Als Alternative zu Undav und Havertz ganz vorne drin kommt Burkardt mit. Der war zwar länger verletzt, ist aber im Saisonendspurt wieder fit geworden. Den Angreifer bringt vor allem sein Einsatzwille in den Kader, den man dem ein oder anderen zwar nicht absprechen, aber doch deutlicher ansehen möchte. Dazu noch diese Art, sich in jeden Zweikampf reinzuwerfen, was sicherlich mal nicht schaden kann. Beschließen soll unsere Nominierung einer, der Amerika kennt. Wer jetzt zuckt, nein, Thomas Müller lassen wir ebenfalls im Urlaub. Es ist Hanny Mukthar. Inzwischen 31 Jahre alt spielt er seit 2020 in Nashville, war im Laufe der Jahre einmal MVP und einmal Torschützenkönig der MLS. Der ehemalige Berliner ist früher ein klassischer Zehner gewesen, wurde in den USA aber eins nach vorne geschoben, was ihm enorm zu liegen scheint. Nach 14 Partien steht er auch jetzt wieder bei sechs Toren und vier Vorlagen. Das sollte, neben den Ortskenntnissen, für einen Kaderplatz als Überraschung reichen. Und Messi scheint die MLS schließlich auch zu reichen.

  • Das wird ein Großer! (feat Lorenzo Insigne)

    April 6, 2026
    linusspringer

    Es gibt Spieler, die machen bereits in jungen Jahren einen guten Eindruck, sogenannte Talente, auf die man früh große Stücke hält und eine tolle Zukunft voraussagt. Wie so oft im Leben ist diese Voraussage so viel Wert wie eine Pfandflasche in Italien, denn wirklich etwas darauf geben kann man nicht. Dementsprechend lässt sich auch nur retrospektiv betrachten, ob aus der Weissagung etwas geworden, die Sterne richtig gedeutet wurden. Diese Einordnung wiederum funktioniert eigentlich nur kategorisch, denn entweder das Talent hat alles herausgeholt (meint Geld und Titel) und ist sowas wie ein Weltstar oder der Ikarusgleiche kickt kaum besser als man selbst in der Kreisliga, was dann als „Verschwendung“ ebenjener Gottesgabe gewertet wird. Nur wenige Akteure schaffen es, sich in einem Zwischenraum zu behaupten, als guter Fußballer in Erinnerung zu bleiben, der man ohne Zweifel natürlich dennoch ist, und trotzdem nicht den Makel des Unvollendeten an sich kleben zu haben wie die SPD schlechte Wahlergebnisse. Genau diese seltene Spezies soll in dieser Reihe genauer beleuchtet, denn Ihnen gebührt mehr Ruhm, als sie öffentlich erhalten. Dem Druck des Talentseins standzuhalten wird zum einen nicht stark genug gewürdigt, zum anderen wird es gemeinhin unterschätzt, wie hart es ist, sich auch als Profi bei einem Mittelklasseklub zu behaupten. Oder sogar mehr. Dementsprechend soll diese Verbeugung in diesem bescheidenen Format erfolgen, immer die Tatsache im Hinterkopf behaltend, dass das vermutlich nicht dazu beiträgt, die Aufmerksamkeit für diese Spieler zu erhöhen, aber eine schöne Geschichte ist eben eine schöne Geschichte und will erzählt werden.

    Der erste in dieser Reihe ist Lorenzo Insigne, wenngleich man nicht unbedingt sagen kann, dass er ein Unbekannter auf internationaler Bühne ist. Aber eben auch nicht der Star, der er hätte sein können. Somit also genau in die Kategorie passt, die hier beschrieben werden soll. Was hat der nur 1,63m große Italiener vorzuweisen? Er war lange Jahre eines der Gesichter der SSC Neapel, bildete ein kongeniales Trio mit Dries Mertens und Marek Hamsik (alternativ waren da auch noch Edinson Cavani oder Gonzalo Higuain zeitweise in der Mannschaft).  Er kam aus der Jugend der Partenopei, ein waschechtes Eigengewächs, und prägte nach mehreren Leihen ab 2011 das Team Napolis für etwas mehr als zehn Jahre. Dementsprechend beliebt war der Flügelspieler bei den Süditalienern, in diese Zeit vielen zwei Pokalsiege in Italien sowie diverse Champions-League-Teilnahmen, allerdings auch diverse unglücklich verpasste Titel, wie das in Neapel eben so ist. Der ganz große Hit für Insigne kam dann jedoch 2021, als er mit Italien in England Europameister wurde. Stammspieler, zwei Tore, eins davon im Viertelfinale beim 2:1 gegen Belgien. Der ganz große Triumph für die Squadra Azzurra im von Weltmeisterschaftsenttäuschungen geprägten Jahrzehnt. Und eben auch für den Dribbler, den man aus dieser Elf zu diesem Zeitpunkt nicht wegdenken kann. Auch ein reiner Blick auf die Statistiken zeigt Wunderdinge auf: 54 Länderspiele, 10 Tore; 337 Serie-A-Spiele, 96 Tore, 74 Vorlagen; 23 Coppa-Italia-Spiele, 8 Tore, 7 Vorlagen.

    Wieso also hört man vom heute erst 34-Jährigen aktuell kaum etwas, wäre er doch noch in einem guten Alter für den Fußball? Weil er 2022, gerade 31 Jahre alt geworden, ablösefrei nach Toronto, Kanada, geht. Obwohl sein Marktwert zu diesem Zeitpunkt noch auf 25 Millionen Euro taxiert wird und er 2017 bei der Vertragsverlängerung in Neapel sagte: „Ich hoffe, dass ich dieses Trikot nie wieder wechseln muss.“ Laut eigener Aussage brauchte er zum damaligen Zeitpunkt eine neue Herausforderung. Il Magnifico verlässt also seine Heimat, seinen Traum, seinen Herzensverein, bei dem er inzwischen mehr Tore geschossen hat als Idol Diego Maradona. Ob es andere Gründe gab, muss Spekulation bleiben, was allerdings gesichert ist: In der MLS fasst er in drei Saisons nicht richtig Fuß, kann nicht an seine alten Zahlen anknüpfen, Neapel dagegen holt zweimal den Scudetto, die Erben Maradonas sind andere. Man könnte dies als typisch neapolitanischen Zufall bezeichnen, wo oft Pech auf Pech trifft. Gefallen hat es Insigne sicherlich trotzdem, denn offenbar mag er diese herzergreifenden, vor Pathos tropfenden Geschichten, die einem Fan des alten Schlags die Tropfen in den Augenwinkel treiben, voller Irrungen und Wendungen. Nur so lässt sich jedenfalls die wohl letzte Drehung seiner Karriere erklären: Nach einem halben Jahr Vereinslosigkeit bezieht er zum Ende des Wintertransferfenster 2026 in Pescara nochmal eine neue, alte Kabine. Dort also, wo ihm bei seiner Leihe 2011/2012 der Durchbruch gelang, wo diese Karriere ihren Anfang nahm.

    Als der Flügelflitzer also bei den Delfinen ankommt, sind diese gerade Letzter der Serie B, nur 14 Punkte bedeuten sechs Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz, der Mannschaft wird nicht mehr viel zugetraut. Doch der Zauberer hat seine Magie nicht verloren. Zunächst hat er noch leichte Rückstände, kann bei seinen Kurzauftritten nicht wirklich etwas verändern. Doch dann kommt der erste Startelfeinsatz, gleich als Kapitän, gleich mit einem Tor, gleich mit einem 2:1-Sieg gegen Palermo, immerhin Aufstiegsaspirant. Dem Erfolgserlebnis folgen ein 4:0 gegen Bari, ein 0:0 gegen Südtirol sowie ein 3:0 gegen Virtus Entella, Insigne steuert zwei Tore und zwei Vorlagen bei. Auch wenn es gegen Empoli zuletzt mit 2:4 die erste Niederlage mit dem Dribbler in der Startelf setzt, hat sich Pescara wieder rangeschoben, zwar bedeuten 29 Punkte immer noch die rote Laterne, aber nur zwei Zähler fehlen auf das rettende Ufer. Am heutigen Ostermontag muss Pescara zu einem Schlüsselspiel bei Reggiana ran, danach lässt sich mit größerer Verlässlichkeit sagen, ob der Klassenerhalt klappen könnte.

    Der Nichtabstieg wäre dann auch die Art Märchen, die sich ein Fußballromantiker ausmalt. Und das sind wir hier ja schließlich auch ein Bisschen, ein kleines Bisschen. Zudem wäre es dann auch ein tolles Ende für die Karriere von Insigne, sollte er sie denn beenden wollen, das weiß man ja nie so ganz. Erreicht hat er jedenfalls genug, um einen ordentlichen Strich ziehen zu können, eine schöne Geschichte ist bei rausgekommen.

  • Man(n) mag sich (nicht so sehr gut leiden)

    März 31, 2026
    benediktkastner

    Robin Gosens ist Linksverteidiger, recht erfolgreich. Die meiste Zeit seiner Profikarriere verbrachte er in Italien, stand kürzlich allerdings für einige Zeit bei Union Berlin unter Vertrag. Das brachte ihm nicht nur Sympathiepunkte bei vielen deutschen Fans, sondern auch eine Aufmerksamkeit, die ihm eine Nominierung für die Nationalmannschaft bescherte. Dort war er nicht ganz so erfolgreich, wie es viele erhofften, was aber auch mit der Position an sich zusammenhängen kann; niemand will und kann Linksverteidiger im DFB-Dress, zumindest nicht so, wie es andere von einem wollen. Eine grundsätzlich interessante Geschichte im Profi-Fußball – und natürlich nicht nur da, dort aber vielleicht exemplarisch – die Sache mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung. Gosens scheint da hinsichtlich ein klasse Typ zu sein; schafft er es nämlich, unterschiedliche Perspektivierungen mitzudenken als Profi-Fußballer (!), das war bis vor kurzem noch schwer vorstellbar. Er ist einer, der sich empathisch für mehr Empathie ausspricht und das auf mehreren Ebenen. Er möchte auf das Verbindende, das Menschliche hinweisen, das bei Fußballern in dieser Klasse oftmals vergessen wird. Er versucht, „ein offenes Ohr zu bieten“ für seine Mitspieler und deren Probleme abseits des Platzes. Klasse Typ eben.

    Interessant ist dabei auch, dass Gosens etwas anspricht, was offensichtlich ist, aber eben leicht vergessen wird. Bei all der Routine, dem Geld, dem Ruhm sind Profi-Fußballer eben keine Roboter! Und werden oft dazu in unglaublich jungem Alter in eine Welt hineingeworfen, die ihnen wahnsinnig viel auflastet. Man denke nur an den teuersten Einkauf der Premier League, Florian Wirtz, der mit zarten 22 Jahren nach Liverpool wechselt und dort den ihm aufgebürdeten Erwartungen erst einmal zusehends nicht gerecht wurde. Er bekommt viel Schmerzensgeld dafür, keine Frage, sehr viel sogar. Und dennoch ist er ein Mensch (wobei wir das noch einmal nach dem TikTok überprüfen sollten, wo er gekochte Kartoffeln als „leckerste“ Zubereitung in einer Liste auf Platz 1 gesetzt hatte…). Und wir tun Menschen Böses an, wenn wir sie nicht als solche wahrnehmen und auch deren Verletzlichkeit und deren Würde in unser Denken und unsere Kritik miteinbeziehen. Ein Beispiel jüngerer Vergangenheit ist hier Antonín Kinský, ein junger Tscheche, der bei einem Champions-League-Spiel für Tottenham Hotspur sein Debüt feierte und mehr als unfeierlich nach 16 Minuten ausgewechselt wurde. Ihm sind in der ersten Viertelstunde seines Debüts einige unglaubliche Fehler unterlaufen, die so eine Auswechselung – auch im Hinblick der nachgeschobenen Erklärung des Trainers, den Torwart habe schützen zu wollen – auf diesem Niveau mehr als rechtfertigen. Was folgte, war: Häme. Der Beweis, dass die Aufklärung nie stets abgeschlossen, sondern kontinuierlich selbstreflektiert-zirkulär erfolgen muss (Schnädelbach), wenn sich junge Männer – es sind immer (junge) Männer – zumeist ohne Klarnamen am Leid anderer ergötzen zur eigenen infantilen Selbsterhöhung. Es gibt einen schönen Video-Beitrag eines YouTubers, der sich die Mühe macht, die Situation(en) zu analysieren und fair einzuordnen (und dabei leider von Trading 121 gesponsert wird, aber das ist eine ganz andere Baustelle). Damit ist er leider in der Minderheit.

    Wir leben in einer Welt, in der es zunehmend als Zeichen von Schwäche interpretiert wird, wenn man (offen) Empathie und Mitgefühl zeigt. In der das reichste und mächtigste Verteidigungsministerium in ein Kriegsministerium umbenannt wird, um Stärke und Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Eine Dokumentation auf Netflix von Louis Theroux zur Manosphere, also einer losen, aber in der Denkweise verbundenen Gemeinschaft von Männern, die ein frauenfeindliches, Stärke vorgaukelndes Bild von Männlichkeit verkaufen möchte, zeigt recht eindrücklich den tristen Zeitgeist, mit dem wir es zu tun haben. Dieser steht zweifelsfrei in Verbindung mit der Häme, die online über bestimmte Menschen geschüttet wird, in jeder neuen Woche über einen neuen Menschen. Kollektive Erniedrigung Einzelner ist durchaus potent für diejenigen, die das Mobbing begehen und sich stärken an dem Schmerz derer, die das Mobbing erfahren.

    Und das bringt mich zu einem letzten Punkt, einem umstrittenen Spieler und einem immer mehr bewunderten Ex-Spieler-jetzt-Trainer. Und zwar Vinicius Jr., Vincent Kompany und den einfach nicht vergehen wollenden Rassismus. Das ist nun wirklich kein Einzelmerkmal des Fußballs und es gibt davon ganz andere Ausprägungen, mit ganz anderen, sehr realen und sehr schmerzvollen Auswirkungen. Die Causa „Vini Jr.“ und vor allem ein brisanter Vorfall vor Kurzem (interessanterweise am gleichen Spieltag, an dem sich auch die Kinský-Geschichte abspielte), zu der dann der Trainer des FC Bayern prominent Stellung bezog, zeigen die Verirrungen kollektiven Fehlverhaltens recht eindrücklich. Ein kurzer, persönlicher Einschub vorweg: Vinicius Jr. ist ein grund-unsympathischer Mensch, der in jedem einzelnen öffentlichen Moment das in Relation schlechtestmögliche Bild gibt, das man von einem Profifußballer erhalten mag. Er reiht sich damit konsequent ein in eine lange Reihe von Angestellten der arroganten „Königlichen“, von Real Madrid. Gleichzeitig ist er einer der begnadetsten Menschen, die jemals gegen so ein rundes Leder getreten haben, und zurecht möchte man anfügen, dass der Brasilianer „Vini“ vermutlich noch nie getreten hat, dafür ist er viel zu filigran in seiner Technik. Man dürfte und müsste die Ambiguitätstoleranz besitzen, um die Gleichzeitigkeit der Unsympathie und des Talents einfach auszuhalten. Das ist aber anscheinend zu viel verlangt. Nicht nur wird Vinicius Jr. öfters kollektiv in Stadien von gegnerischen Anhängern rassistisch beleidigt (Imitation von Affengeräuschen), es hat im Februar auch einen Vorfall gegeben, bei dem ein Spieler des Gegners Benfica Lissabon, Gianluca Prestianni, ihn mit dem Wort „Affe“ beschimpft haben soll, nachdem Vinicius Jr. seinen Treffer recht provokant bejubelte. Ein Jubel, dessen Ausgestaltung niemals irgendeine Form von Rassismus rechtfertigen kann! Vor allem die Reaktion zweier Trainer stand anschließend im Mittelpunkt, an unterschiedlichen Enden der Sympathie-Skala. Während der Benfica-Trainer, José Mourinho, eben genau diese Art des Jubels mit in die Bewertung einbezog und damit Vinicius Jr. für den an ihm ausgelassenen Rassismus mit verantwortlich machte, hielt Vincent Kompany, Trainer einer unbeteiligten Mannschaft, eine der gehaltvollsten, reflektiertesten und umsichtigsten Reden, die in diesem Bereich zu diesem Thema gehalten wurden.

    Dieser Rede soll im Sinne eines (umgedrehten) Ausspruchs von Voltaire angefügt werden: Rassisten verdienen kein Recht, frei einen Unsympathen wie Vinicius Jr. als solchen zu bezeichnen. Rassisten sind es, die konsequent aus den Stadien, der Öffentlichkeit und der Gesellschaft ausgegrenzt gehören. Und es braucht mehr Menschen wie Robin Gosens, auch an der Seitenlinie, die mitdenken, sich einfühlen und Empathie zeigen. Grätschen ja, aber um den Ball zu gewinnen, nicht um den Gegner zu verletzen.

  • Endlich unter Spannung

    März 20, 2026
    linusspringer

    Die europäischen Ligen steuern langsam, aber sicher, auf ihren Höhepunkt, die Titel- oder Abstiegsentscheidungen, zu, bevor es dann im Sommer zum sportlichen Wettkampf USA gegen Iran kommt. Die Fußballwelt sollte die politischen Konflikte der Welt immer stellvertretend auch ausfechten, als Modell für die Zukunft im Sinne der Tribute von Panem sollte man das im Hinterkopf behalten. Damit sich die 1,3 Millionen Euro, die man in Streamingdienste investieren muss, um seine Mannschaft in allen Wettbewerben verfolgen zu können, auch lohnen, wollen wir einen kurzen Rundumblick wagen, welche Spiele im Saisonendspurt aufgrund ihrer Brisanz (wir tätigen keine Prognosen hinsichtlich spielerischer Klasse) sehenswert sind.

    Am 14.05. steigt das Pokalfinale in Dänemark, der FC Kopenhagen trifft auf den FC Midtjylland. So weit, so unwichtig. Allerdings hat der große FC Kopenhagen vollkommen überraschend zum ersten Mal seit Jahrzehnten die Meisterrunde der Liga verpasst und wird damit nicht mal annähernd in die Nähe der Meisterschaft kommen. Im Gegenteil, man muss in der Abstiegsrunde sogar den (allerdings nur theoretischen) Gang in Liga zwei fürchten. Das ist in ungefähr so, als würde der FC Bayern die Conference League verpassen. Mit dem Pokalsieg und der damit verbundenen Qualifikation für das internationale Geschäft könnte man zumindest etwas Licht in die Saison bringen, Bankdrücker Youssoufa Moukoko wäre es zu gönnen.

    Auch in der Premier League erwartet uns noch ein spannendes Finish, das liegt jedoch am Abstiegskampf, der zum ersten Mal seit Jahren nicht schon am 9. Spieltag entschieden ist (sorry, Wolverhampton). Dabei könnte es durchaus einen großen Tanker erwischen, denn mit West Ham United, Nottingham Forest und auch den Tottenham Hotspur sind vor allem drei Teams bedrohlich weit unten, die das so nicht erwartet hatten. Jetzt am Sonntag, den 22.03. müssen die Spurs gegen die Tricky Trees ran, da wird es schon heiß her gehen. Leeds, ein weiterer Kandidat im engen Rennen, trifft an den letzten drei Spieltagen noch auf Tottenham und die Hammers, das verspricht Spannung.

    Bleiben wir in England, eine klasse tiefer in der Championship steht Leicester City, der Überraschungsmeister aller Überraschungsmeister (gefühlt von vor zwei Jahren, allerdings war es 2016) vor dem Gang in die Drittklassigkeit. Zwei Punkte trennen die Foxes vom rettenden Ufer, an den letzten sechs Spieltagen trifft man noch auf drei direkte Konkurrenten. Empfehlenswert ist dabei sicherlich die letzte Runde am 02.05., wenn es gegen Blackburn, aktuell 19., geht.

    Schauen wir nach Griechenland, wo man noch weiß, wie sich Meisterschaftskampf bis zum Schluss anfühlt. Vor dem letzten Spieltag am Sonntag, 22.03., liegt PAOK nur wegen des Torverhältnisses vor Olympiakos und AEK, alle haben 57 Punkte. Allerdings müssten die letztgenannten Athener schon sieben Tore aufholen, da hätte man sich mehr Mühe geben können. Der finale Tag bietet kein direktes Duell, dafür aber eine sicherlich spannungswürdige Konferenz.

    Wenn wir schon mal bei schönem Wetter sind: Hallo Italien, hallo Serie B. Das komplizierte Ligensystem sorgt dafür, dass es beinahe für jede Mannschaft bis zum Schluss um Alles geht, besonders brisant scheint aber das Finish am 08.05. zu werden. Nach aktuellem Stand würden mit Pescara gegen Spezia und Reggiana gegen Sampdoria die vier letzten Teams, die zwei Punkte trennen, aufeinandertreffen. Da auch zwei weitere Mannschaften (Virtus Entella und Bari) in diesem Bereich liegen, kommen noch viele Konstellationen für die drei Abstiegs- sowie zwei Relegationsplätzen in Frage.

    Jede Menge Spannung könnte in der zweiten Liga in Österreich auf uns zukommen. Nur der Meister steigt auf, aktuell belegt der FC Admira Wacker diesen Platz, punktgleich mit dem Floridsdorfer AC. Einen Zähler dahinter, aber auch mit einem Spiel weniger, also potenziell in besserer Position, rangiert Austria Lustenau, wiederum zwei Umdrehungen dahinter folgt SKU Amstetten. Und wer spielt jetzt am letzten Spieltag am 14.05. gegeneinander? Genau, Admira gegen Floridsdorf, Lustenau gegen Amstetten. Müssen wir nur hoffen, dass die Teams sich diese Spannung bewahren und sich nicht vorher schon das Bayern-Syndrom einfangen.

    Wer hätte gedacht, dass man bei einem Artikel über Spannung am Saisonende mal über Schottland sprechen würde? Doch, es ist so, mit Heart of Midlothian liegt sogar ein Überraschungsteam auf Kurs Meisterschaft. Allerdings ist der Vorsprung mit zwei Zählern vor Celtic und drei vor den Rangers denkbar knapp. Zudem folgt nun noch die Meisterrunde, die uns in mehreren direkten Duellen einiges abverlangen wird.

    Ebenfalls Beachtung verdient der FC Bromley in der englischen League Two, also der vierten Liga. Der Verein hat als Erfolge bisher irgendwelche Pokaltriumphe auf Stadtviertel-Level vorzuweisen, steuert aber zielsicher dem Aufstieg entgegen. Da freuen sich die knapp 5.200 ZuschauerInnen, denn mehr passen nicht rein. Nächste Saison dann gegen Leicester, Luton, Wigan und Co.

    Wir haben also noch ein gutes Programm vor uns, der internationale Spitzenfußball will nebenbei ja auch noch beachtet werden, sonst bekommt man Ärger von Infantino. Als weiteres, noch nicht terminiertes Highlight kann man sich die Wiederholung des Finals des Afrika-Cups eintragen. Mit großer Sicherheit wird nach juristischer Aufarbeitung sowie Klagen und Gegenklagen entschieden, den Titelkampf zwischen Marokko und Senegal ohne ZuschauerInnen an einem lauen Mittwochabend in Sinsheim erneut auszutragen. Dieses Mal aber mit Handtüchern für alle.

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