Von meinen Freunden sind nicht alle Fußballfans, die meisten sind es sogar nicht. Am Fußball Interessierte gibt es mehr, auch wenn das viel bedeuten kann. Reisen unternimmt man dennoch zusammen. Der Fan, der Interessierte und der Desinteressierte zusammen. Wie kommt das? Und noch wichtiger: Was passiert da (zur Hölle)?
Wenn jemand einen Vorschlag macht, gibt es, ganz allgemein gesprochen, immer mehrere Varianten der Reaktion. Die klassischen Möglichkeiten bewegen sich zwischen Zustimmung und Ablehnung, zwischen Annahme und Verweigerung, zwischen Teilnahme und Absage. So ist es auch, wenn jemand einen ambitionierten wie möglicherweise waghalsigen Fußball-Wochenend-Plan einbringt, der natürlich eigentlich nur wunderschön ist. Man stellt den Vorschlag vor, wartet die Reaktionen ab, passt an, bespricht Details. Oder stellt ihn vor und sagt: „Das is‘ er, ja oder nein?“ Und so stehen am Ende dann eben Leute, die bereit sind, die Tortur mitzumachen. Man hätte, wie kurz erläutert, auch ablehnen, verweigern, absagen können.
Stadio Alberto Picco, Spezia vs. Bari
So kommt man also zu einer Planung, die hier in Anlehnung an die Realität auch kurz dargelegt werden möchte. Donnerstagabend mit dem Nachtzug los, morgens in Parma aus dem Zug hetzen (warum auch immer, man war dank Verspätung schon länger wach), dann weiter nach La Spezia. Dort am Abend die Partie gegen Bari, kein fußballerischer Leckerbissen, immerhin ist die Schlange am Bierstand aber überschaubar. Am Samstag in aller Frühe wieder los zum Bahnhof, in Reggio Emilia aussteigen und den Spaziergang zum Stadion antreten. Die anschließende Frechheit, die man, um im Jargon zu bleiben, wohl als Partie für Taktikliebhaber bezeichnen kann, über sich ergehen lassen. Wenigstens macht der Smalltalk auf der Tribüne Spaß, man hat Zeit, endlich diese unliebsamen Mails abzuarbeiten, die sich noch aufgestaut haben. Und schlussendlich am Sonntag noch das Topspiel Bologna gegen Neapel, das zwar einiges an Stars verspricht, es jedoch, natürlich, auch schafft sich bezüglich Spannung einzureihen in das bisher Gesehene. Und dann wieder mit dem Nachtzug in die Heimat.
Und damit sind wir wieder beim eigentlichen Zweck des Ganzen, denn Fußball, das ist nur die schönste Nebensache der Welt (welcher Idiot behauptet denn sowas?), also nicht der Hauptgrund für einen derartigen Ausflug. Es geht darum, gemeinsam Zeit zu verbringen. Das klingt banal, war es auch in einer Zeit, als man sich selbst noch als jung bezeichnen konnte. Doch wenn einen die zunehmenden Verpflichtungen des Erwachsenwerdens, welches es im Übrigen, das nur als Einwurf, möglichst lange aufzuhalten gilt, einholen, wird Zeit eben das vielzitierte hohe Gut, auf das es zu achten gilt. Langsam gesellt sich dazu noch die Gesundheit, doch bei dem zugegebenermaßen leicht ausufernden Alkoholkonsum gerade dieser Reisetage kann niemand ernsthaft beteuern, dass nicht die Zeit aktuell an erster Stelle steht.
MAPEI Stadium, Reggiana vs. Virtus Entella
Der Fußball dient dabei vielleicht allen, vielleicht nur einigen als Deckmantel für die gemeinsame Unternehmung, die gemeinsame Zeit. Was allerdings nicht abwertend für den Sport ist, sondern das Gegenteil, es ist eine weitere Facette dieses wunderbaren runden Dings. Denn das verbindende Element, dass der Fußball zweifelsohne innehat, sei es innerhalb einer Mannschaft, zwischen Fans, zwischen Freunden, zwischen Familienmitgliedern, das lässt sich auch erweitern auf Personen, die dem klassischen „schauen“, sei es auf dem Bildschirm oder im Stadion, rein privat oder alleine gar nicht zugeneigt wären. Denn es entwickelt sich aus dem Fußball heraus ein Zauber, der gemeinsame Zeit stiftet, die man ansonsten vielleicht nicht hätte. Das mag diverse Gründe haben, manche plausibler als andere, doch darum geht es hier nicht. Es geht alleine um die Wirkung, und die ist unbestreitbar eine vereinigende, eine sinnstiftende, eine verbindende. Dementsprechend braucht es, das könnte man auch gesamtgesellschaftlich und nicht biographisch verstehen, Momente des gemeinsamen Glücks mit dem Ball, weitere, mehr, viele davon.
Stadio Renato dall’Ara, Bologna vs. Neapel
Am Ende steigt man nämlich aus dem Zug, der als Transportmittel übrigens eine wichtige, eigene Rolle spielt in dieser Geschichte. Die Art des Reisens wird nämlich auf den Schienen vollendet, klar, es muss auch funktionieren, aber das ist nun wirklich ein anderes Thema. Die Dynamik, die sich in einem Zug entwickelt, ist eine eigene, er ermöglicht gemütliche Runden, Bewegung, Ruhe, Getränke- und Essensaufnahme, rundum alles, was es bei einem Zusammensein braucht. Andere Verkehrsmittel sind da deutlich exkludierender und damit beschränkter, ungeachtet der jeweils eigenen Vorteil, die es möglicherweise gibt. Der Zug ist der Nils Petersen unter den Einwechselspielern, gerade im Hinblick auf den beschriebenen Zweck der Reise. Eine Liebeserklärung an den Fußball, an die gemeinsame Zeit ist damit auch immer, sagen wir zumindest meistens, mit dem Schienenverkehr verknüpft. Ganz nach dem Sprichwort ist der Weg das Ziel, der Weg zum nächsten Stadion, zum nächsten Spiel, zum nächsten Bier. Gemeinsame Zeit eben.
Wenn man den Zug dann am Ende des Abenteuers verlässt, abgekämpft, glücklich, traurig, froh, dann weiß man, dass die gemeinsame Zeit eine gute war. Missetat begangen.
Die Vorfreude ist die letzte Freude – oder: Die Hoffnung stirbt zuerst
Der Sommer ohne Fußball, jedenfalls ohne Vereinsfußball, ist dennoch ein Sommer voller Fußball. Denn der Transfermarkt, die Gerüchte und Planungen des eigenen Vereins, treiben einen um, fast mehr, als während der Saison. Unabhängig von der jeweiligen Beurteilung (von „alles Idioten“ bis zu „beste Mannschaft die wir je hatten“) ist dabei die Vorfreude auf die neue Saison, auf den ersten Spieltag, riesig, je näher er kommt, desto weniger ist es auszuhalten. Man versucht sich an diversen Managerspielen und kann doch nur auf den einen Tag, den ersten Tag, der Erlösung schielen. Die Vorfreude, die angeblich die schönste ist, kennt dabei keine Grenzen, wächst ins Unermessliche, wie sich das für eine Erlösung gehört. Sie ist dabei verbunden mit der inhärenten Hoffnung, dass dieses Jahr alles besser wird, alles gut wird, alles endlich so wird, wie es sein soll. Vorfreude und Hoffnung, ein so schönes Duo.
Jedoch stellt sich schnell heraus, dass die Vorfreude eigentlich ganz hässlich ist. Und die Hoffnung, die stirbt sowieso zuerst, da kann der Volksmund sagen, was er will. Da ist der erste Spieltag, oder meinetwegen die ersten Spieltage, unerbittlich, eine erwartbare Zäsur für Vorfreude und Hoffnung. Man sieht ihn kommen mit all seinen Versprechungen und Verheißungen, nur um innerhalb von Minuten an ihm Vorfreude und Hoffnung zerschellen zu lassen. Die Vorfreude im Nu weggeputzt, die Hoffnung abgegrätscht. So geht das übrigens Jahr für Jahr, was ist nochmal die Definition von Wahnsinn? Aber zurück zur Vorfreude, zur Hoffnung, die einem beide so viel geben, so viel mehr geben. Denn was der Sommer auch mit sich bringt, ist das Vergessen („Wir sind abgestiegen? Dann werden wir jetzt eben Meister“ oder „Internationales Geschäft verpasst? Können wir uns jetzt auf die Liga konzentrieren“), das auch benötigt wird für die immer wiederkehrende Vorfreude. Man stelle sich mal vor, nach einer Saison hätte der Fan mit seinem Klub, mit seinem Fußball abgeschlossen. Was wäre das traurig. Der Sommer erfüllt deshalb auch die wichtige Funktion einer rituellen Reinigung, egal wie böse man am Ende der vergangenen Saison war, nach ein paar Wochen ist das vergangen und die Hoffnung wieder da. In der Tat wohnt dieser Reinigung auch ein ökonomischer Faktor inne, denn der Fußball könnte nicht reihenweise Millionäre hervorbringen, wenn nach jeder Saison die enttäuschten Fans dem Sport den Rücken zukehren würden und nach dem Sommer nicht wiederkämen. So eine Fußballpopulation, oder die Gesamtheit der Konsumenten, ist auch irgendwo endlich. Glaube ich zumindest.
Das Risiko der Übersättigung besteht demnach zwar durchaus, der immer ausgedehntere Kalender mit Spielen in diversesten Wettbewerben bringt Müdigkeit mit sich, auch was den Konsumenten betrifft. Solange es jedoch eine, wie auch immer geartete, Sommerpause gibt, wird sich das nicht in signifikanten Zahlen niederschlagen. Die vielzähligen Streamingdienste müssen sich nicht um ihre Kunden sorgen, denn die Reinigung des Sommers bringt die Vorfreude und die Hoffnung mit sich, welche die Fans vor die Bildschirme treiben. Zumindest am Saisonstart. Und dann ist das Abo auch bereits abgeschlossen, da kann es den Sendern auch egal sein, wie es mit dem Herzensklub weitergeht. Dies gepaart mit der Leidenslust des gemeinen Fußballfans macht eine volkswirtschaftliche Dynamik aus, die man nicht unterschätzen sollte. Vorfreude und Hoffnung, du infernalisches Duo.
Ach, was ist das schön, dass du wieder da bist, neue Saison, du wirst so viel besser als die alte, du wirst der Kulminationspunkt meiner Mannschaft. Wer mich fragt, wie mein Team gestartet ist, braucht keine freundliche Antwort zu erwarten. Vielleicht ja nächstes Jahr, nach dem nächsten Sommer wieder.
Wrexham AFC – Gibt es gute und schlechte Investoren?
Wenn eine Mannschaft nach 15 Jahren den sogenannten Non-League-Football verlässt und zurückkehrt in den Kreis der Football League, dann ist zunächst einmal natürlich eines zu sagen: Herzlichen Glückwunsch! Genau dies ist einen Spieltag vor Ende der Saison dem AFC Wrexham gelungen. Nach 45 Spieltagen steht man mit 110 Punkten uneinholbar an der Tabellenspitze, die letzte Partie kann also zur großen Partie, der Aufstieg in die viertklassige League Two gefeiert werden. Zur National League, der fünftklassigen Spielklasse, der Wrexham nun den Rücken kehrt, gibt es diverse Geschichten. Brutal harte 46 Spiele sind zu absolvieren, nur der Erste steigt auf, die anderen müssen in die Playoffs. Auch der AFC hat seinen Teil beigetragen, scheiterte letzte Saison noch in ebenjenen Ausscheidungsspielen. Und in dieser Saison kam es am 43. Spieltag zum ultimativen Aufeinandertreffen mit Notts County, der zweitplatzierten Mannschaft. Wir machen es kurz: Die Waliser gewannen ein unfassbares Spiel mit 3:2, weil Torwart Ben Foster, aus der Premier League bekannt, in der siebten Minute der Nachspielzeit einen Elfmeter hielt. Ekstase pur.
Im Nachgang wurden viele Texte zu den roten Drachen geschrieben, denn der Verein ist inzwischen international bekannt als der FC Hollywood. Warum das? Er wurde 2020 für 2,8 Millionen Euro von den Schauspielern Ryan Reynolds und Rob McElhenney gekauft, die inzwischen auch ein eigenes Lied von den Fans bekommen haben. Seit dem Einstieg der beiden Amerikaner ist viel passiert in Wrexham, das Stadion wird ausgebaut, es gibt eine Dokumentation über die erste Spielzeit, die Social-Media-Kanäle, besonders TikTok, boomen, das Sponsoring wurde massiv hochgefahren und der Kader wurde mit für die Liga unglaublichen Investitionen zum Aufstieg gedrückt. Dass sich die Fans darüber freuen, scheint zunächst einmal sehr nachvollziehbar. Und doch überrascht die Euphoriewelle, die den neuen Eignern entgegenschlägt, etwas. Bei der Übernahme mussten die beiden Investoren ein Fangremium überzeugen, das die Geschicke des Vereins lenkte, nachdem dieser in grauer Vorzeit bereits einmal vor die Wand gefahren wurde. Offenbar scheint diese historische Begebenheit aber keine Rolle mehr zu spielen.
Und so fragt man sich: Gibt es gute Investoren und schlechte Investoren? Oder gibt es einfach Investoren? Nicht missverstehen: Natürlich gibt es Menschen mit unterschiedlichen Motiven und auch Arbeitsweisen, auch bei Investoren ist das so. Dennoch muss einmal die Frage aufgeworfen werden, wie der Fußball denn nun damit umgehen will? In England sind die meisten Vereine inzwischen investorengeführt, mal besser, mal schlechter. Die Fans von Manchester United hoffen seit Jahren, dass die Glazer-Familie den Klub abgibt. Vielen anderen geht es auch so, wenn sie nicht schon lange in den Niederrungen des Amateurfußballs versunken sind. Das ist keine englische Eigenheit, in allen anderen Fußballländern kann man ähnliche Beispiele finden, man muss nur zum Beispiel mal bei Malaga oder Valencia nachfragen. Oder in Bordeaux. Oder in Uerdingen oder bei 1860 in München. Und dann gibt es die vermeintlich positive Kehrseite, die aktuell in Wrexham zu bestaunen ist. Oder in Newcastle, wo der Staat Saudi-Arabien, von zweifelhaftem Ruf, Schalten und Walten darf, solange es gut läuft, stehen die Fans voll dahinter. Dabei haben gerade die Anhänger der Magpies zuvor erlebt, was es heißen kann, wenn ein Investor keine Lust mehr hat. Aber wer will nicht Paris Saint-Germain sein?
Und so sind wir vom beschaulichen Wales in die große Fußballwelt und damit auch nach Deutschland geraten. Denn auch die Bundesliga respektive die DFL haben eine Diskussion angestoßen, ob Investoreneinstiege nicht notwendig sind. Die Fans haben sich dazu klar positioniert: Nein, es ist nicht notwendig. Naja, aber was deren Meinung zählt, sollte Land auf, Land ab bekannt sein. In Deutschland gibt es bereits Konstrukte, die von Fanmitbestimmung abgekoppelt sind, wie Leipzig, oder von Konzernen gelenkt werden wie die „Werksclubs“ Leverkusen und Wolfsburg. Denn Investoren wollen natürlich mitbestimmen, was mit ihrem Geld passiert, da kann man noch so laut 50+1 rufen. Sie wollen nicht einfach Kapital in einen Klub pumpen und dann dabei zusehen, wie es verbrennt. Doch gerade die Fanbestimmung, die einen funktionierenden Verein ausmacht, gerät dadurch in Gefahr. Das Problem der Investoren im Kapitalismus ist: Sie müssen Gewinn erzielen, sonst hat sich das Investment nicht gelohnt. Auch sogenannte „langfristige Partnerschaften“ sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Profit das Ziel ist, bei aller Romantik, die vielleicht manchmal mitschwingt. Und auf dem Weg dahin müssen natürlich auch entsprechende Entscheidungen getroffen werden. Das betrifft zum einen das Sportliche, aber eben auch das Drumherum, das dem Fan so wichtig ist, wichtig zu sein hat. Höhere Ticketpreise bringen mehr Profit, ebenso mehr VIP-Loungen. Sponsorenverträge mit, vielleicht fraglichen, Partnern und Big Playern bringen mehr Profit. Diversifizierte Anstoßzeiten bringen mehr Profit. Eine höhere Anzahl an Spielen bringt mehr Profit. Die Liste lässt sich fortführen, darauf sind eigentlich nur Punkte zu finden, die dem gemeinen Fan zuwider sind. Außer der sportliche Erfolg eben, der gehört auch dazu. Und der überlagert meist das ganze andere unwichtige Zeug. Womit letztlich auch die Euphorie zu erklären ist, die am Anfang eines Engagements meist steht, die aber schnell in Frust und Verzweiflung umschwingen kann.
Denn gerade mit der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit wird im Kontext von Investoreneinstiegen meist argumentiert. Unterschlagen wird dabei aber ein zentraler Punkt: Wichtig ist diese vor allem den Entscheidern oben im Machtgefüge, man will europäisch spielen und dabei auch noch gut. Natürlich, der Fan will auch, dass seine Mannschaft maximal erfolgreich ist, das steht außer Frage. Aber das ist nicht das höchste Gut in einem gemeinnützigen Sportverein, dieser steht für Werte, die mehr bedeuten als Profit. Man drückt seinem Verein auch in unteren Ligen noch die Daumen und auch wenn er nicht die riesigen Weltstars in seinen Reihen hat. Das Licht ganz oben mag besonders hell und damit verlockend sein, aber zu einem gesunden Sport trägt es nicht bei, schon gar nicht zu einem Sport, in dem den Fans ihr Verein gehört und sie über sein Schicksal mitentscheiden können. Und so ist es aus der Ferne auch weiterhin verwunderlich, was im beschaulichen Wrexham geschieht: Die Fans bejubeln ihre eigene Entmündigung zugunsten einer vermeintlich besseren sportlichen Perspektive. Ob das der richtige Weg ist?
Er ist es und er bleibt es. Kontinuität gilt gemeinhin als etwas Positives, aber der Begriff lässt sich leider auch auf negative Phänomene anwenden. Ein solches ist die FIFA, ist vor allem ihr Oberhaupt, Anführer, Chef, Präsident, Stammesführer, Herrscher, Diktator, wie man ihn auch nennen will, Gianni Infantino. Ein kontinuierliches Ärgernis. In Kigali, Ruanda, wurde der Schweizer am 16. März für eine weitere Amtszeit bestätigt, diese geht vier Jahre. Nachdem die erste Amtszeit von 2016 bis 2019, als er von Sepp Blatter, der über die Justiz gestolpert war, übernahm, handstreichartig als „keine echte Amtszeit“ eingestuft wurde, darf Infantino uns im Optimalfall noch bis 2031 behelligen, so wollen es die Statuten des Weltverbandes. Man ist geneigt, ihm eine ähnliche Stolperfalle wie seinem Vorgänger zu wünschen, allerdings scheint der Präsident den Mantel von Ignotus Peverell zu haben, so sehr perlt jeglicher Justiz-Ärger (noch) an ihm ab. Aber zurück zur Wahl.
Vor lauter Rührung über die überraschende Bestätigung seiner nächsten Amtszeit schaffte es Infantino nicht aus dem Stuhl, da er laut eigener Aussage sonst umfallen könnte. Letztlich brachte er es zum Glück für alle Beteiligten aber auch ohne Umfallen fertig und sprach vom Berg der Seligpreisungen herunter: „Alle, die mich lieben, ich weiß, das sind viele, und alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar – ich liebe euch alle.“ Was für starke Worte. Ich fühle mich jetzt auf jeden Fall geliebt, welcher Part der Aussage dabei zutreffend ist, wird vorsichtshalber mal offen gelassen, nur so viel: Ich schäme mich nicht, in der Unterzahl zu sein. FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura gab zurück: „Wir lieben Sie, Mr. President.“ Eine solche Veranstaltung bekommt man sonst nur am Broadway zu sehen, für die diesjährigen Oscars kommt sie knapp zu spät. Wenn man sich dann die Tränen aus den Augen gewischt hat, kann man nochmal einen Blick auf die Wahl werfen. Da es keinen Gegenkandidierenden gab, durfte per Akklamation abgestimmt werden. Lautes Klatschen hieß demnach, man wolle Infantino weiter an der Spitze des Weltverbandes sehen. Was dann auch die meisten Vertreter der über 200 Nationalverbände taten. So schnell geht das, Xi.
Bei diesem ganzen Prozedere spielt aber auch der DFB, so viel deutsche Brille darf sein, eine Rolle. Der hatte nämlich ritterartig angekündigt, nicht für den Schweizer stimmen bzw. klatschen zu wollen. Da dies nur eine handvoll andere Verbände ebenfalls taten, muss sich das im Saal angefühlt haben wie kurz nach der Landung eines Flugzeugs, wenn alle dem Piloten gratulieren und man selbst sich denkt: Das ist doch sein Job, oder? Aber zurück zur FIFA-Wahl: Was hätte der Deutsche Fußball Bund besser bzw. anders machen können, um dem Klatschdesaster zu entgehen? Zum einen hätte er, durchaus öffentlichkeitswirksam, einfach einen eigenen Kandidierenden präsentieren können. Es bedarf da keiner Hürden oder Ähnlichem, der DFB hätte einfach sagen können, dass er Piotr Trochowski eben für die richtige Wahl hält. Natürlich wäre der der ehemalige Wunderschütze nicht zum Präsidenten gewählt worden, aber diese Benennung hätte etwas erreicht, was ohne Gegenkandidierendem nicht möglich ist. Er hätte dafür gesorgt, dass die Abstimmung geheim stattfinden muss. Und, viel wichtiger, hätte er weithin gezeigt, dass es eine Opposition zu Infantino gibt, dass sein Gebaren nicht einfach hingenommen wird. Chance eins verschenkt. Zum anderen hätte der DFB beim Kongress in Kigali durch seinen Vertreter sehr simpel die Hand heben können, um eine geheime Abstimmung zu beantragen. Auch hier gibt es kein weitverzweigtes Prozedere, sobald ein Verband geheime Abstimmung beantragt, ist es so. Durch die Anonymität geschützt hätten womöglich wesentlich mehr Verbände ihr Unverständnis für Infantino ausgedrückt. Chance zwei verschenkt. Diese zwei verschenkten Chancen zeigen aber vor allem eins, und dies hat wenig mit dem FIFA-Präsidenten zu tun: Der DFB, aber auch die Gesamtheit der europäischen Verbände, haben wesentlich an Einfluss verloren. Sie haben als wenige unter mehr als 200 Nationalverbänden nichts mehr zu sagen. Das kann natürlich, vor allem historisch gesehen, etwas Positives sein. Wenn am Ende dadurch aber ein FIFA-Präsident Infantino herauskommt, muss es etwas Schlechtes bedeuten. Der Fisch stinkt eben vom Kopf. Zu lange haben die vermeintlich Einflussreichen alle verprellt, bis ein infantiler FIFA-Imperator erkannt hat, dass er auf ihre Stimme nicht mehr angewiesen ist. So verbleibt der Fußball als Spielball der Weltpolitik, ohne seiner sinnstiftenden Wirkung nachgehen zu können. Auch weil sich ein DFB nicht aus der Ecke traut. Kontinuierlicher Mist, eben, was an der Spitze des Weltfußballs passiert. Raus mit Applaus.
Die Boulevardblätter freuen sich, jubilieren gar, jedes Mal, wenn sich der Fußball nicht mit sich selbst, sondern mit seinen Auswüchsen beschäftigen muss. Die heutigen Profis sind Stars, manchmal doch eher lokaler, oft aber nationaler oder internationaler Tragweite. Damit sind sie natürlich auch für genannte Medien von großem Interesse, insbesondere dann, wenn sie sich Verfehlungen neben dem Platz leisten. Man sollte meinen, dass sich diese in Grenzen halten, sich wenn, dann auf Partys oder andere Exzesse beschränken. Tatsächlich aber sind auffällig viele Profis auch schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Beispiele gefällig? Marco Reus wurde 2014 beim Fahren ohne Führerschein erwischt, er hatte nur einen gefälschten aus den Niederlanden. Dabei war der BVB-Kapitän wohl jahrelange ohne Lappen unterwegs, am Ende muss er deshalb 540.000 Euro zahlen. Inzwischen hat er die Prüfung offiziell bestanden. Ähnlich erging es übrigens Michael Cuisance. Dabei handelt es sich dabei noch um ein relativ harmloses Verbrechen möchte man sagen. Schlimmer wird es dann aber schon bei den großen der Branchen, namentlich Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Der Portugiese soll 14,7 Millionen Euro, der Argentinier immerhin nur 4,1 Millionen Euro dem Fiskus vorenthalten haben. Bei Angel di Maria waren es 1,3 Millionen, bei Modric dann nur noch 870.000. Dazu kommen dann auch noch Neymar, James Rodriguez, Alexis Sanchez, Xabi Alonso und viele mehr. Allesamt mussten sie nicht hinter Gitter, sie durften die Steuer großzügigerweise Nachzahlen und sind durch eine Strafzahlung, die sich aufgrund ihrer horrenden Gehälter allesamt leisten konnten, der dazugehörenden Bewährungs- oder Gefängnisstrafe entgangen. Eine Zwei-Klassen-Justiz? Natürlich nicht erkennbar.
Wagt man sich tiefer in den Sumpf, trifft man auf dann weitaus folgenreichere Verbrechen. Mason Greenwood wurde der versuchten Vergewaltigung und Körperverletzung angeklagt, inzwischen wird er aber nicht mehr strafrechtlich verfolgt, immerhin. Benjamin Mendy sah sich mit acht Anklagen konfrontiert, sechs davon wurden fallengelassen, ein Vorwurf der Vergewaltigung und eine Anklage wegen versuchter Vergewaltigung bestehen aber noch. In erster Instanz verurteilt wurde Jerome Boateng, das Gericht sah den Vorwurf der Körperverletzung seiner Freundin als erwiesen an. Er hat Berufung eingelegt. Gegen Atakan Karazor vom VfB Stuttgart läuft seit 2022 auf Ibiza ein Strafverfahren wegen sexueller Nötigung, er saß dort sechs Wochen in Untersuchungshaft. Dass noch nicht Anklage erhoben wurde, hat einen einfachen Grund: Die spanische Justiz ist überlastet. Neuester Profi in dieser unrühmlichen Reihe ist Anthony von Manchester United, seine Freundin hat Anzeige gegen ihn erstattet und wirft ihm häusliche Gewalt, Körperverletzung und Bedrohung vor.
Aus einer anderen Verbrechensrichtung kommen Jean-Luc Dompe und William Mikelbrencis vom Hamburger SV, sie wurden von ihrem Klub zu Geldstrafen verurteilt, weil sie an einem illegalen Autorennen teilgenommen und nach einem Unfall mit einer Bushaltestelle Fahrerflucht begangen haben sollen. Arturo Vidal wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil in einem Münchner Klub jemanden verprügelt hat. Dem traut man das Ganze wenigstens zu. Yannick Carrasco durfte wegen des Vorwurfs der Körperverletzung China sogar kurze Zeit mal nicht verlassen. Diese Liste lässt sich, leider, ziemlich beliebig fortführen. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass Fußballer unter Generalverdacht gestellt werden sollen. Es ist einfach nur auffallend, wie viele von ihnen mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Da kommt unweigerlich die Frage auf, ob da ein Berufsstand den sogenannten Kontakt zur Basis verloren hat. Heutzutage bewegen sich Profis in Blasen, sie können nicht unerkannt auf die Straße gehen, ein normales Leben sieht anders aus, trotz oder wegen des ganzen Geldes. Zudem werden sie meist schon enorm früh für den Beruf rekrutiert, Teile der Kindheit und vor allem des jungen Erwachsenenlebens bleiben da auf der Strecke. Diese Kombination zusammen mit unermesslichem Reichtum und womöglich auch noch Langeweile führt offenbar zu einem toxischen Cocktail, der zu Straftaten verführt. Und offenbar herrscht unter den Profis auch die Einstellung vor, dass man dafür ohnehin nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Allerhöchstens muss man etwas von seinem Festgeldkonto abdrücken, das ohnehin gaunerhaft gefüllt ist. So weit, so schlimm.
Auf der anderen Seite stehen aber auch Vereine und Fans, denen das Ganze ebenfalls relativ egal zu sein scheint. Innerhalb kürzester Zeit stehen die Profis wieder auf dem Rasen, sie sind wichtige Bestandteile der Mannschaft. Und die Anhänger jubeln ihnen dann auch wieder zu, denn sie schießen Tore, bringen den Klub nach oben. Alles vergeben und vergessen, was es auch gewesen sein mag. In besonders schlimmen Fällen greifen Klubs zumindest manchmal zu einer Suspendierung, die allerdings im Bedarfsfall schnell wieder rückgängig gemacht werden kann. Und so bleibt am Ende das Gefühl stehen, dass sich Profifußballer mehr rausnehmen dürfen, als erlaubt sein sollte, und dies auch machen. Da das System bisher super funktioniert, sieht es aktuell auch nicht danach aus, als würde sich kurzfristig daran etwas ändern.
Vielleicht wären die Gerichte, die die entsprechenden Fälle behandeln, gut beraten, statt einer verpuffenden Geldstrafe mal ein Sportverbot auszusprechen. Das würde die Profis sicher schlimmer treffen und vielleicht auch mal dazu führen, dass ein gesetzeswidriges Verhalten reflektiert wird. Und es würde sicher dazu führen, dass die Klubs ihre Angestellten stringenter darauf hinweisen, dass man sich an geltendes Recht zu halten hat. Vielleicht muss auch die Politik die Möglichkeiten für einen solchen Eingriff schaffen. Vielleicht ist das aber auch eine dumme Idee.
Die Politik greift ein – Das Ende der Mär vom unpolitischen Sport?
Immer, und wirklich immer wieder, sprechen Funktionäre und Spieler vom unpolitischen Sport, insbesondere vom unpolitischen Fußball. Auch außerhalb der Sphäre des Sports wird diese Parole oft unreflektiert wiederholt, wodurch sie sich im Diskurs festgesetzt hat und mantraartig an diesem hängt wie Kaugummi unter Schuhsolen, übrigens ähnlich unangenehm. „The neoliberal mantra international sports governing bodies such as the Fédération Internationale de Football Association (FIFA) and the International Olympic Committee (IOC) follow is that sports and politics do not mix. The rationale of this mantra bases itself on pure capitalism: It is easier to sell sports around the world” (Reiche 2018: S. 284), erklärt Danyel Reiche ein zentrales Motiv dahinter. Gerade zivile Akteure stellen dieser Behauptung der handelnden Akteure zwar Forderungen nach einem politischen Sport entgegen, warum jedoch sollte der Fußball, abgekapselt von der Zivilgesellschaft in diverser Hinsicht, diese integrieren, ja überhaupt zur Kenntnis nehmen? Beispiele dafür gibt es genug, oder hört aktuell noch jemand etwas über Gastarbeiter in Katar? Timm Beichelt schreibt dazu: „Die Faszination des Spiels hat Sponsoren und wirtschaftliche Ressourcen zum Fußball geholt und dadurch ist das Phänomen immer größer geworden, sodass manche heute von einer Hegemonialsportart sprechen. Der Fußball bekommt also wahnsinnig viel Aufmerksamkeit. Dadurch erlangen die Personen, die im und rund um den Fußball tätig sind, eine große gesellschaftliche und ganz bestimmt auch politische Macht“ (Beichelt 2018). Diese Macht wird genutzt, um den Diskurs zu beeinflussen und das Mantra des unpolitischen Sports fortzuführen. Die handelnden Akteure sollten da lieber mal an Stephen Mumford denken: „Deciding what is or isn’t political is itself a political act“ (Mumford 2021: S. 106). Sind wir aber ehrlich: Wer denkt schon oft an Mumford, nicht böse gemeint? Der Fußball kann im Diskurs aus seiner Machtposition heraus also dafür sorgen, dass sein Narrativ das dominante ist und bleibt. Und so ist es natürlich auch immer schwieriger und schwieriger geworden, den Sport hier in Haftung zu nehmen.
Tatsächlich gibt es nun aber einen Hoffnungsschimmer auf dem Weg zu einem Sport, der, wenn schon, nach eigenen Worten, nicht politisch agiert, so immerhin politisiert wird. Politisch benutzt wird er dabei schon lange von Akteuren wie China, Russland und Katar, aber auch von Deutschland, den USA, machen wir uns nichts vor, eigentlich von jedem. Sportswashing ist inzwischen ein anerkannter Begriff, wenngleich er im Diskurs des Fußballs als Geschäft wenig bis keine Rolle spielt, zumindest bei den Entscheidungsträgern. Auch deshalb kann sich das Narrativ des unpolitischen Sports halten. Aber nun wird die politische Ebene zum ersten Mal effektiv und öffentlichkeitswirksam in den Sport hineingetragen. Was bleibt auch anderes übrig, wenn die FIFA ihre Verantwortung für eine WM in zumindest moralisch fragwürdigen Ländern getrost abschieben kann und damit auch noch unbeschadet davonkommt? Noch darf der Weltverband unbeirrt agieren, so groß ist der Wurf nun auch nicht, doch die englische Regierung legt nun immerhin Hand an die entfesselte Premier League. Eine neue Aufsichtsbehörde soll Investoren und Eigentümer der Klubs genauer unter die Lupe nehmen und zudem ein neues Lizenzierungsverfahren entwickeln. Wichtig dabei: Die Behörde soll weisungsbefugt und sanktionsfähig sein, also nicht nur eine erneute Nebelkerze im Pyrodschungel. Kernaufgaben laut dem Ministerium für Kultur, Medien und Sport (übrigens eine nette Zusammensetzung für ein Ministerium): eine Prüfung der Integrität der Eigentümer sowie deren Geschäftsplans. Etwaige Änderungen an der Grundidee des Vereins wie Wappen, Trikotfarbe oder Spielort bedürfen ebenso der Zustimmung des Gremiums wie die Teilnahme an neuen Wettbewerben. Es ist also wesentlich unwahrscheinlicher geworden, dass wir Newcastle United demnächst mit saudischer Flagge in der Super League an der englischen Südküste spielen sehen. Außer sie verzichten dafür eben auf die doch so lukrative Premier League, ein Ausschluss wäre dann nämlich möglich. Das Ganze soll natürlich nicht rückwirkend passieren, denn das gäbe ein riesiges Schlamassel, Ryan Reynolds und Rob McElhenney müssen sich also keine Sorgen machen. Die aktuellen Bestimmer in den Premier-League-Klubs reagierten verschnupft auf diese Ankündigung, also ein gutes Zeichen, dass tatsächlich etwas Gutes passiert. Wie genau sich das Gremium letztlich Geltung verschafft, ist natürlich abzuwarten. Dennoch zeigt der Schritt, dass ein Eingriff und wichtiger eine Regulierung des Fußballgeschäfts möglich ist. Die deutsche Politik und die DFL könnten sich daran ein Beispiel nehmen, die neue englische Aufsichtsbehörde regelt übrigens auch die zukünftige Verteilung der Fernsehgelder. Gibt es da nicht auch hierzulande immer wieder Verteilungsdiskussionen zwischen Groß und Klein? Das Mantra des Sports wird natürlich dennoch bestehen bleiben, es ist ein mühsamer und langsamer Prozess, dieses aus dem Diskurs zu verdrängen. Ausgerechnet, so muss man fast sagen, das Mutterland des Fußballs geht nun diesen ersten Schritt. Angestoßen wurden das Ganze übrigens noch vom damaligen Premierminister Boris Johnson. Sachen gibt’s, die gibt’s garnicht.
– Mumford, Stephen (2021): A philosopher looks at sport. Cambridge: Cambridge University Press.
– Reiche, Danyel (2018): Issues around the FIFA World Cup 2018 in Russia: A showcase of how sports and politics mix. In: Sport und Gesellschaft 15 (2), S. 283 – 296.
Um den Palio, und damit die Stadt Siena, zu verstehen, gibt es lediglich zwei Möglichkeiten. Die eine ist den meisten Menschen nicht vergönnt, nämlich in der Stadt geboren und aufgewachsen zu sein. Die andere besteht darin, sich dem Palio und den Sieneserinnen und Sienesern in vollkommener Offenheit, Unvoreingenommenheit und vor allem auch im Bewusstsein der Unvollständigkeit langsam zu nähern, als wolle man ein scheues Eichhörnchen füttern. Denn immer, wenn man denkt, jetzt alles verstanden zu haben, alles gesehen zu haben und damit praktisch Teil der Stadt zu sein, verstellt man sich den Blick für die kleinen und großen Entdeckungen rund um den Palio, die in den verwinkelten Gassen der Stadt warten.
Dadurch ist auch eine Absage an Forderungen nach einer kurzen oder schnellen Erklärung des Phänomens erteilt. Selbstverständlich, die formalen und auch informellen Regeln des Rennens lassen sich zusammenfassen und durchaus auch schnell verstehen. Der Palio an sich ist jedoch nicht nur ein (enorm kurzes) Pferderennen. Im Palio kulminieren die Hoffnungen und Sehnsüchte, die Ängste und Sorgen der Sieneserinnen und Sieneser. Er ist damit weit über das reine Rennen hinaus Spiegel der Gesellschaft Sienas, wenn nicht sogar die Gesellschaft selbst, so definierenden Charakter besitzt er. Um diesen Charakter fassen zu können muss man sich einlassen auf das, was auf einen zukommt. Man muss Widersprüche akzeptieren, Unwissenheit dulden und das Unlogische für logisch, zumindest aber möglich, erachten können. Dann kann es gelingen, wirklich in die tiefreligiöse Stadt Siena einzutauchen und sie kennenzulernen, wie sie ist: unlogisch schön.
Zu Beginn, bevor man versuchen kann, in die Stadt einzutauchen, ist es sicherlich sinnvoll, den Palio einmal nüchtern zu betrachten, da dies, sobald man die Schwelle zur Gefühlswelt Sienas überschritten hat, schwerlich möglich ist. Als Palio wird ein zwei Mal im Jahr stattfindendes Pferderennen (zu besonderen Anlässen gibt es außerplanmäßige zusätzliche Rennen) auf dem zentralen Platz der Stadt, der Piazza del Campo, sowie der dazugehörige Preis für den Sieger bezeichnet, es handelt sich bei dem Wort „Palio“ demnach um eine Äquivokation, ein Wort mit unterschiedlichen Bedeutungen. Bei diesem Rennen treten die einzelnen Stadtteile, Contraden, gegeneinander an. Gewinner ist diejenige Contrade, deren Pferd als erstes die Piazza del Campo dreimal umrundet hat, was ungefähr 90 Sekunden in Anspruch nimmt. Jedes Rennpferd, barbero, wird von einem Jockey, fantino, geritten, allerdings ohne Sattel. Eine Besonderheit des Palio ist es, dass Pferde auch ohne fantino gewinnen können, sollten sie diesen unterwegs verloren haben.
An diese kurze Einleitung lassen sich nun viele kleine Teilstücke anfügen, um das Gesamtkunstwerk des Palios am Ende in seinem ganzen Glanz erstrahlen lassen zu können. So werden nun in unterschiedlichen Kapiteln kleinere und größere Erklärungen, Erläuterungen und Schilderungen eingefügt und eingeordnet, in der Hoffnung, dass am Ende ein Einblick entsteht, was der Palio ist.
Der Jahreswechsel stellt immer auch die Möglichkeit dar, zurückzublicken, was man so erlebt, was man so getrieben, was man so verbockt hat, Nostalgie eben. Und so will ich auch hier einen Blick zurückwerfen, nicht auf das Fußballjahr im Ganzen, das ist unmöglich, sondern auf die Spiele, die man selbst besucht hat (denn das sind ja eigentlich auch die, die zählen). Dabei sticht im Jahr 2022 natürlich vor allem ein waghalsiger Aufenthalt in London heraus. Aus diesem Grund will ich, während im Hintergrund „Dinner for One“ läuft, klar, diese Reise mit seinen Erlebnissen nochmal passieren lassen. Auf dass nächstes Jahr wieder etwas Derartiges passiere.
Für mich beginnt die Reise bereits Wochen vor der Abreise. Ich bin ein Planer, zumindest was den Fußball, oder eigentlich eher den Sport, angeht. Stadionbesuche wollen sorgfältig zusammengestellt, Vorverkaufstermine gecheckt, Sitzplätze ausgesucht werden. So entsteht, unter gütlicher Mithilfe der Terminierungen der englischen Fußballligen, so viel Platz muss sein, ein Plan, den ich gelungen finde. Kurz die Schilderung der Fakten: Wir reisen Freitag, leider mit dem Flugzeug, an, Samstag dann Luton Town gegen Blackpool, Sonntag Brighton & Hove Albion gegen Southampton. Montag folgt Crystal Palace gegen Leeds, Dienstag Fulham gegen Nottingham, Enfield Town gegen Hornchurch findet am Mittwoch statt. Den Abschluss am Freitag und Samstag machen die Queens Park Rangers gegen Sheffield United und schließlich Watford gegen Burnley. Wer sich übermäßig viel gepflegten Fußball vorgestellt hat, muss schon beim Programm skeptisch werden. Aber genau so soll es sein, wie man so schön sagt, Englisch eben. Wir fahren ja nicht umsonst ins selbsternannte Mutterland des Fußballs.
Dann beginnt es also. Mit den einzelnen Spielverläufen und Ergebnissen werde ich mich nicht lange aufhalten, diese waren mal mehr, mal weniger spannend, nur so viel sei bemerkt: Einen Heimsieg haben wir nicht erlebt, typisch Glücksbringer. Was uns (oder sollte ich mich sagen?) viel mehr interessiert, ist ohnehin das Drumherum, das Gefühl auf dem Weg zum Stadion, die Stimmung, die Menschen, die strukturellen Bedingungen, kurz: die Soziologie des Spiels um das Spiel.
Diese Analyse muss deshalb natürlich vorne und bei dem Weg zum Stadion anfangen. Wir als Immobilienhaie wissen, auch hier zählt: Lage, Lage, Lage. Und gelegen sind viele Stadien mitten in Wohnvierteln und -blocks. Das macht zum einen den Fußweg von der nächstgelegenen Station sehr angenehm, weil man durch klassische (neu-)englische Architektur oder Parks schlendert, und zum anderen bekommt man dadurch das Gefühl, das Stadion wäre so etwas wie das Zuhause von jemandem. Aus dem Nichts streben die zum Teil uralten Stadien in die Höhe, als hätte jemand sein zu großes Grundstück in diesem Viertel mit einer ausgiebigen Behausung bebaut, nichts weiter. Man ist eingeladen, dort zu Gast zu sein, und kann das Stadion gleichzeitig als sein eigenes Zuhause wahrnehmen. Ganz anders ist das Gefühl bei Neubauten aller Art, meist außerhalb der Stadt gelegen, die nicht nur lästig zu erreichen sind, sondern auch eine distanzierte Kühle ausstrahlen. Mir ist klar, dass man, wenn man ein Stadion neu bauen muss oder will, kein geeignetes Grundstück im modernen Stadtzentrum findet. Umso wichtiger erscheint es, die vorhandenen Stadien, die sich durch diese Lage auszeichnen, zu erhalten, auch auf Kosten der einen oder anderen Annehmlichkeit, die aus Platznot eben nicht geschaffen werden kann. Denn das Gefühl, das einen auf dem Weg zum Stadion in England begleitet, ist in dieser Weise einzigartig.
Im Stadion angekommen fällt natürlich die unmittelbare Nähe der Tribünen zum Rasen sowie das fehlende Fangnetz hinter den Toren auf, was über englische Arenen hinlänglich bekannt ist. Dennoch ist es in live nochmal beeindruckender, wie nah das Spielfeld tatsächlich ist. Dadurch entsteht der Eindruck eines sehr engen, gedrungenen Zimmers, das durch die Tribünen als Wände umrandet wird. Auch der Kontakt zu den Spielern, die zum Beispiel eine Ecke treten, wird so enger, man kann sie in vorderster Reihe beinahe berühren (nicht, dass man das wollte). In dieser Enge liegt auch die Kraft der englischen Stadien begraben, über die man zu Recht sagt, dass sich die Stimmung von den Rängen auf den Rasen überträgt. Die Unmittelbarkeit und Nähe sorgen dafür, dass die Spieler Stimmungsumschwünge und Anfeuerungen sofort und lautstark mitbekommen und so auch logischerweise, implizit, darauf reagieren sowie damit interagieren. Das ist bei Stadien mit weiter nach hinten gerückten Tribünen schwieriger, bei Stadien mit Laufbahn fast unmöglich.
Wie die aufmerksame Leserin bemerkt hat, bin ich großer Fan der Lage und Art der englischen Stadien und der damit einhergehenden Wirkungen. Damit sich dem Leser auch eine andere Seite darstellt, komme ich natürlich auch auf aus meiner Sicht negative Aspekte des englischen Stadionvergnügens zu sprechen. Da ist zuerst das Bierverbot auf den Rängen. Alkohol ist nur vor den Kiosken gestattet, mit in den Innenraum darf er nicht genommen werden. Frevel. Nun ja. Schwerwiegender ist da schon, dass es in England (aufgrund wichtiger und richtiger Gründe) keine Stehplätze gibt. Inzwischen gibt es zwar (aus wichtigen und richtigen Gründen) die Erlaubnis für einige Vereine, im Rahmen von Pilotprojekten wieder Stehplätze einzuführen, bis dies flächendeckend der Fall ist, wird es aber noch dauern. Dadurch geht ein zentrales Element der Fanszene verloren, das ich an deutschen Stadien so schätze: Die situationsunabhängige Unterstützung. Die Stimmung in englischen Stadien ist sehr davon abhängig, wie die Mannschaft auf dem Platz performt (in unserem Fall meistens schlecht). Eine organisierte Fanszene in den Stadien, die für dauerhafte Anfeuerung sorgen würde, gibt es nicht. Ein positiver Aspekt dabei ist jedoch, dass das Publikum durchmischter ist, es gibt nicht die Trennung in Fankurve und Gegengerade wie in Deutschland, jeder sitzt überall. Dennoch, Stehplätze sind ein großer Gewinn für die Stimmung und für den Fußball beziehungsweise das Fußballerlebnis als Fan.
Zuletzt darf dann noch die Kommerzialisierung in der Auflistung nicht fehlen (die selbstverständlich auch in Deutschland voranschreitet). Mit Konsumkritik sollte man immer vorsichtig sein, wenn man selbst öfter als einem lieb ist als Konsument in Erscheinung tritt (oder sollte man sich gerade dann daran versuchen?). Weshalb Konsumkritik in diesem Fall durchaus auch (oder immer?) als Selbstkritik verstanden werden darf, als Autokonsumkritik sozusagen. Jedenfalls ist der Konsum in englischen Fußballstadien von vorne bis hinten durchchoreographiert und damit natürlich im Endeffekt auch die Kommerzialisierung des Sports. Das beginnt bei Vereinen, die in ihren Fanshops für wirklich jeden Mist Geld nehmen (und den ich gerne kaufe). Es geht weiter bei Fanzonen vor dem Stadion, in die man mit sagenhaften Angeboten hineingelockt wird, um dort dann größtenteils männlichen Zuschauern dabei zuzusehen, wie diese die vereinseigenen Cheerleaderinnen beobachten (die Problematik dahinter soll an einer anderen Baustelle aufgegriffen werden). Und es endet (nicht) bei Ticketpreisen, die jenseits aller Vorstellungskraft liegen. Man unternimmt bei einer Reise nach England also nicht nur einen Ausflug zu tollen Stadien, netten Menschen und womöglich gutem Fußball, sondern erhascht eben auch einen Blick darauf, wie die fortschreitende Kommerzialisierung des Sports aussehen kann. Und zu der man selbst mit dem Konsum dessen natürlich beiträgt. Dabei machen sich Vereine ein abstraktes Bedürfnis des Fans zunutze: „Damit lassen sich zwei für alle Fanbereiche anwendbare Strategien einer Steigerung des physischen Wohlbefindens durch Fantum erkennen: 1. Fantum als Strategie zur Steigerung emotionalen Erlebens und 2. Fantum als Strategie der Erlebnissicherung auf einem prekären Erlebnismarkt“ (Roose et al. [2017]: Fans in theoretischer Perspektive, in: Roose et al. [Hrsg.]: Fans. Wiesbaden: Springer, S. 23.). Fans wollen demnach ihr Wohlbefinden steigern, indem sie eben Fan sind, emotional also an einen Verein gebunden sind, unterbewusst. Das können die Kommerzialisierer ausnutzen, indem sie diesen Markt bedienen, überfrachten und ausschlachten. Dabei ist auch klar: Das muss nicht zwangsweise etwas Schlechtes sein, wenn man es so mag. Dennoch finde ich es ermutigend, dass es auch anders geht.
Denn eine Ausnahme, zugegebenermaßen erhoffte Ausnahme, stellt das Spiel bei Enfield Town dar. Enfield Town? Welcher Wahnsinn trieb sie da hinein? Die, sehr subjektive, Suche nach dem, was aus meiner Sicht Fußball sein kann, sein sollte, vielleicht war und vielleicht wieder sein wird. Denn letztlich stellt sich die Frage, warum man diesem Spiel überhaupt beiwohnt? Warum strömen hunderte bis tausende Menschen am Wochenende ins Stadion, nehmen unfassbare Reisen auf sich, um den Klub ihres Herzens spielen zu sehen? Das wunderbare, schön anzuschauende Spiel kann es nicht sein, das hat diese London-Reise einmal mehr aufgezeigt. Und das zeigt im Übrigen auch Enfield Town gegen Hornchurch, das sicherlich Vieles ist, aber kein Leckerbissen. Demnach muss es etwas anderes geben, etwas, das die Menschen anzieht und sie bindet, unabhängig davon, welche elf Spieler den Verein gerade zugrunde richten.
Klar, auch bei Enfield Town gibt es Bier (für das man unfassbar lange anstehen muss), und auch hier gibt es Fastfood (der von drei bezaubernden älteren Damen zubereitet wird), ja, es gibt sogar einen Fanshop sowie Bandenwerbung. So weit, so gut zur fortschreitenden Kommerzialisierung des Sports. Doch Enfield Town präsentiert einen Kern, der außerhalb dieser Geldwerdung des Fußballs liegt. Sicherlich, für Vereine in unteren Spielklassen ist es wesentlich einfacher, diesen Kern zu bewahren, als wenn man im Konzert der Großen mitspielt. Dennoch treten hier Dinge abseits der Kommerzialisierung auf, die zumindest mich an den Fußball glauben lassen. Und die tatsächlich auch nur schwer zu beschreiben sind. Hier sucht der Fan natürlich ebenfalls unterbewusst das physische Wohlbefinden, um bei der Definition von Roose et al. zu bleiben. Aber er erreicht es anders, auf eine, so möchte ich sagen, organischere Weise. Das bessere Befinden ist nicht an einen Geldbeutel geknüpft, der im kommerzialisierten Umfeld zwangsweise geöffnet werden muss, um auf dem „prekären Erlebnismarkt“ erfolgreich zu sein. Der Fußball als solcher bzw. das dazugehörige Fantum reicht aus, um die von Roose et al. beschriebenen Effekte zu entfalten. Es braucht nicht zwangsweise das mittlerweile dazugehörige kommerzialisierte Umfeld, sondern es gibt eine Befriedigung aus dem Fußball selbst heraus. Zugangsbeschränkungen im Sinne einer Eventisierung sind dabei nur hinderlich, da er als Sport universell und allgemein zugänglich sein könnte. Das Spiel bei Enfield Town, das Gespräch mit dem niedergeschlagenen aber mehr als freundlichen Mannschaftskapitän sowie ein Bahn- und Barerlebnis mit einem Fremden zeigen mir, was der Fußball kann. Und das ist, ganz nostalgisch, doch nochmal eine Erinnerung wert.
So ist dieser Bericht am Ende doch noch zu einem Plädoyer geworden, was ich eigentlich vermeiden wollte. Nun gut, es ist wie es ist und an Silvester wollen wir da mal nicht so sein. Nächstes Jahr geht es weiter, mit einer Leistungssteigerung meinerseits ist nicht zu rechnen. Wie auch?
Ich bin mir nicht sicher, was davon zu halten ist, dass der Kalender sich verselbstständigt hat. Auf der einen Seite ist es schön, dass für einen geplant wird, man braucht sich keine Gedanken zu machen, was man an diesem oder jenen Tag machen könnte oder gar machen sollte, denn jemand hat schon an einen gedacht und einen oder mehrere nette Termine reingelegt. Auf der anderen Seite ist es lästig, nicht selbst auch mal etwas bestimmen zu dürfen, sich vielleicht auch einfach mal einen Tag gar nichts vorzunehmen oder etwas anderes zu unternehmen, als geplant wurde. Die zweite Option besteht jedoch immer seltener, denn der Kalender hat sich ja schon verselbstständigt.
Es stellt sich demnach nur noch die Frage, wie mit dieser Verselbstständigung umzugehen ist. Nehme ich sie an, füge mich, lebe nach Plan des Kalenders? Oder kämpfe ich dagegen an, verpasse vielleicht auch mal ganz absichtlich einen Termin des Kalenders, lege mir selbstständig andere Verabredungen drüber? Das lässt sich leider nicht einfach beantworten und ist mit Sicherheit auch eine Frage des Charakters. Weshalb die Annäherung an die Lösung, die hier vorgenommen wird, wohl auch nur subjektiver Natur sein kann und damit auch nur von geringem Wert für das Publikum. Ob so ein Text dann auch sinnvoll ist, dieser Frage soll sich an anderer Stelle gewidmet werden. Deshalb lieber zurück zur Verselbstständigung des Kalenders, bevor gleich der nächste Termin ansteht, unweigerlich, unbarmherzig, erlösend.
Denn gerade für mich haben die Termine des Kalenders eine gewisse Bedeutung, ich habe Achtung davor, kann sie definitiv nie ganz ignorieren, sie sind immer da, im Hinterkopf. Und mit ihnen verbinde ich natürlich auch Freude, Trauer, Glück und Schmerz, alles was die Gefühlspalette wortgewandterer Menschen so hergibt. Das Verpassen eines Termins fällt so natürlich nicht leicht. Aber dennoch, manchmal muss es sein. Kommt man nach der Arbeit nach Hause und freut sich eigentlich sehr auf seinen Termin, aber der Körper streikt, will diesen nicht wahrnehmen, oder die Partnerin bzw. der Partner hat etwas anderes mit einem vor, etwas, das wichtiger ist oder zumindest sein sollte? Oder steht am Wochenende eine wichtige Veranstaltung bevor, die jedoch so gar nicht zum eigenen Terminkalender passen will? Da müssen Prioritäten gesetzt werden, was natürlich ebenfalls nicht leichtfällt. Klar, wenn man nur auf sich selbst Rücksicht nehmen müsste, fiele die Entscheidung einfach: Der Kalender hat sich ja nicht umsonst einen Termin ausgedacht, der wird also wahrgenommen. Aber, zum Glück vielleicht, sind da ja noch andere Menschen, andere Bedürfnisse, die einen fordern und ebenfalls beachtet, befriedigt werden wollen. Demnach heißt es also manchmal: Kalender, danke für den Termin, aber ich kann nicht. Entschuldige bitte, beim nächsten Mal werde ich deine sorgfältige Planung nicht ignorieren, bitte verzeih mir. Das schlechte Gewissen bleibt natürlich, so oder so.
Aber letztlich muss man sagen, nachdem mir selbst klar geworden ist, dass ich die eingangs des Textes aufgeworfenen Fragen nicht beantworten kann: Schön, dass es immerhin die Qual der Wahl gibt. Keine Wahl zu haben, wäre definitiv schlechter. Und so schaue ich am Anfang der Woche wieder in den Kalender, was er denn dieses Mal für mich bereithält: Montag, Fußball schauen, Dienstag, Fußball schauen, genauso wie am Mittwoch, Donnerstag dann auch Fußball schauen. Am Wochenende letztlich unzählbare Termine, extra für mich, sorgfältig sortiert, damit den ganzen Tag Fußball geschaut werden kann. Wie es wohl ist, wenn man nicht verrückt nach einem Spiel ist, dessen Sinn man selbst noch nicht erfasst hat?