Die Boulevardblätter freuen sich, jubilieren gar, jedes Mal, wenn sich der Fußball nicht mit sich selbst, sondern mit seinen Auswüchsen beschäftigen muss. Die heutigen Profis sind Stars, manchmal doch eher lokaler, oft aber nationaler oder internationaler Tragweite. Damit sind sie natürlich auch für genannte Medien von großem Interesse, insbesondere dann, wenn sie sich Verfehlungen neben dem Platz leisten. Man sollte meinen, dass sich diese in Grenzen halten, sich wenn, dann auf Partys oder andere Exzesse beschränken. Tatsächlich aber sind auffällig viele Profis auch schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Beispiele gefällig? Marco Reus wurde 2014 beim Fahren ohne Führerschein erwischt, er hatte nur einen gefälschten aus den Niederlanden. Dabei war der BVB-Kapitän wohl jahrelange ohne Lappen unterwegs, am Ende muss er deshalb 540.000 Euro zahlen. Inzwischen hat er die Prüfung offiziell bestanden. Ähnlich erging es übrigens Michael Cuisance. Dabei handelt es sich dabei noch um ein relativ harmloses Verbrechen möchte man sagen. Schlimmer wird es dann aber schon bei den großen der Branchen, namentlich Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Der Portugiese soll 14,7 Millionen Euro, der Argentinier immerhin nur 4,1 Millionen Euro dem Fiskus vorenthalten haben. Bei Angel di Maria waren es 1,3 Millionen, bei Modric dann nur noch 870.000. Dazu kommen dann auch noch Neymar, James Rodriguez, Alexis Sanchez, Xabi Alonso und viele mehr. Allesamt mussten sie nicht hinter Gitter, sie durften die Steuer großzügigerweise Nachzahlen und sind durch eine Strafzahlung, die sich aufgrund ihrer horrenden Gehälter allesamt leisten konnten, der dazugehörenden Bewährungs- oder Gefängnisstrafe entgangen. Eine Zwei-Klassen-Justiz? Natürlich nicht erkennbar.
Wagt man sich tiefer in den Sumpf, trifft man auf dann weitaus folgenreichere Verbrechen. Mason Greenwood wurde der versuchten Vergewaltigung und Körperverletzung angeklagt, inzwischen wird er aber nicht mehr strafrechtlich verfolgt, immerhin. Benjamin Mendy sah sich mit acht Anklagen konfrontiert, sechs davon wurden fallengelassen, ein Vorwurf der Vergewaltigung und eine Anklage wegen versuchter Vergewaltigung bestehen aber noch. In erster Instanz verurteilt wurde Jerome Boateng, das Gericht sah den Vorwurf der Körperverletzung seiner Freundin als erwiesen an. Er hat Berufung eingelegt. Gegen Atakan Karazor vom VfB Stuttgart läuft seit 2022 auf Ibiza ein Strafverfahren wegen sexueller Nötigung, er saß dort sechs Wochen in Untersuchungshaft. Dass noch nicht Anklage erhoben wurde, hat einen einfachen Grund: Die spanische Justiz ist überlastet. Neuester Profi in dieser unrühmlichen Reihe ist Anthony von Manchester United, seine Freundin hat Anzeige gegen ihn erstattet und wirft ihm häusliche Gewalt, Körperverletzung und Bedrohung vor.
Aus einer anderen Verbrechensrichtung kommen Jean-Luc Dompe und William Mikelbrencis vom Hamburger SV, sie wurden von ihrem Klub zu Geldstrafen verurteilt, weil sie an einem illegalen Autorennen teilgenommen und nach einem Unfall mit einer Bushaltestelle Fahrerflucht begangen haben sollen. Arturo Vidal wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil in einem Münchner Klub jemanden verprügelt hat. Dem traut man das Ganze wenigstens zu. Yannick Carrasco durfte wegen des Vorwurfs der Körperverletzung China sogar kurze Zeit mal nicht verlassen. Diese Liste lässt sich, leider, ziemlich beliebig fortführen. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass Fußballer unter Generalverdacht gestellt werden sollen. Es ist einfach nur auffallend, wie viele von ihnen mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Da kommt unweigerlich die Frage auf, ob da ein Berufsstand den sogenannten Kontakt zur Basis verloren hat. Heutzutage bewegen sich Profis in Blasen, sie können nicht unerkannt auf die Straße gehen, ein normales Leben sieht anders aus, trotz oder wegen des ganzen Geldes. Zudem werden sie meist schon enorm früh für den Beruf rekrutiert, Teile der Kindheit und vor allem des jungen Erwachsenenlebens bleiben da auf der Strecke. Diese Kombination zusammen mit unermesslichem Reichtum und womöglich auch noch Langeweile führt offenbar zu einem toxischen Cocktail, der zu Straftaten verführt. Und offenbar herrscht unter den Profis auch die Einstellung vor, dass man dafür ohnehin nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Allerhöchstens muss man etwas von seinem Festgeldkonto abdrücken, das ohnehin gaunerhaft gefüllt ist. So weit, so schlimm.
Auf der anderen Seite stehen aber auch Vereine und Fans, denen das Ganze ebenfalls relativ egal zu sein scheint. Innerhalb kürzester Zeit stehen die Profis wieder auf dem Rasen, sie sind wichtige Bestandteile der Mannschaft. Und die Anhänger jubeln ihnen dann auch wieder zu, denn sie schießen Tore, bringen den Klub nach oben. Alles vergeben und vergessen, was es auch gewesen sein mag. In besonders schlimmen Fällen greifen Klubs zumindest manchmal zu einer Suspendierung, die allerdings im Bedarfsfall schnell wieder rückgängig gemacht werden kann. Und so bleibt am Ende das Gefühl stehen, dass sich Profifußballer mehr rausnehmen dürfen, als erlaubt sein sollte, und dies auch machen. Da das System bisher super funktioniert, sieht es aktuell auch nicht danach aus, als würde sich kurzfristig daran etwas ändern.
Vielleicht wären die Gerichte, die die entsprechenden Fälle behandeln, gut beraten, statt einer verpuffenden Geldstrafe mal ein Sportverbot auszusprechen. Das würde die Profis sicher schlimmer treffen und vielleicht auch mal dazu führen, dass ein gesetzeswidriges Verhalten reflektiert wird. Und es würde sicher dazu führen, dass die Klubs ihre Angestellten stringenter darauf hinweisen, dass man sich an geltendes Recht zu halten hat. Vielleicht muss auch die Politik die Möglichkeiten für einen solchen Eingriff schaffen. Vielleicht ist das aber auch eine dumme Idee.
