Die Bundesliga-Saison steht vor der Türe, heute Abend geht es los mit dem vielbesungenen Eröffnungsspiel. Sind die diversen Managerspiel-Mannschaften aufgestellt, die Tippspiele bearbeitet, neue Lieblingsspieler auserkoren? Dann fehlt nur noch die Prognose, wie die Saison denn auszugehen gedenkt. Nichts braucht man nämlich mehr, als das Ende des Stücks schon vor dem fallenden Vorhang zu kennen.
Zunächst aber braucht es eine Prognose für die Prognose. Wie immer wird diese zu der Zeit, wenn das orakelte eingetreten sein sollte, gewogen und eigentlich wie fast immer, für zu leicht befunden. Lediglich ein paar Prognosen bleiben bestehen, nämlich jene, die so grottenfalsch waren, dass man einfach nur drüber lachen kann. Und jene, die wundersamerweise tatsächlich Recht behalten haben. Da ist es das Orakel selbst, dass unter Bezug auf die eigene Potenz in Sachen Fachwissen prahlt und auf Lob sinnt. Was eigentlich immer in einem bemitleidenswerten Lächeln endet, denn niemand mag Angeber und niemand mag Leute, die Recht behalten haben und das einem unter die Nase reiben.
Damit ist es auch höchste Zeit für die Prognose der Seitenlinie, die an der einen oder anderen Stelle seriös, andernorts aber durchaus alternativ auftritt. Immer in der Hoffnung, zu keiner der beiden Kategorien zu gehören, an die nach dem ersten Spieltag noch jemand zurückdenkt.
Die wichtigste Frage wollen wir zum Start klären: Wird es spannend? Spoiler: Nein. Gut, danke, dann weiter. Die Bayern sind einfach zu stark, was die Kaderbesetzung betrifft. Daran ändert auch der Fokus auf die Champions League nichts. So viele Verletzungen kann man gar nicht anhäufen, dass diese Ansammlung an Spielern auf das Niveau der anderen Mannschaften zurückgestuft wird.
Dann schnell ans andere Ende der Tabelle: Zwei der drei Aufsteiger müssen wieder runter. Wer, wird nicht verraten, das wollen wir Elversberg und Paderborn nicht antun. Einer von beiden wird sich aber noch in die Relegation retten können (Was aber auch nichts bringt), denn Köln hat sich nachhaltig auf ein Mandat in Liga zwei beworben. Die eruptive Domstadt wird sich emotional wieder von ihrer besten Seite zeigen, zwischen Europapokalträumen und Abstiegsangst wanken und am Ende wieder mal dem Teufel die Hand schütteln. Vielleicht geht El Mala ja mit ins Unterhaus.
Die wichtigen Entscheidungen sind damit vorausgesagt, da können wir den Blick etwas weiten. Die Lieblinge der Nation, Leipzig und Hoffenheim, werden sich national wieder von einer guten Seite zeigen, wobei die Dosen das etwas besser hinbekommen. International dagegen wird alles Red Bull der Welt nicht helfen, an das marode Gerät Flügel zu montieren, beide Teams werden in guter alter Tradition nach der Ligaphase die Segel streichen müssen. Bleibt wenigstens wieder Zeit, in der Bundesliga die Arenen zu füllen.
Ein wesentlich schwierigerer Tipp ist da schon die sogenannte Überraschung der Saison. Was allein an der Bedeutung des Wortes „Überraschung“ liegt. Wäre das ganze nicht überraschend, könnte man es ja leicht vorhersagen. Was dann aber wiederum auch keine Überraschung mehr wäre. Demnach ist der Titel „Überraschung der Saison“ wohl eher etwas für eine Retrospektive. Allerdings bietet diese Kategorie auch den meisten Nährwert für die „Ich-hab-es immer-schon-gewusst“-Reden nach der Spielzeit, weshalb man sich ihr auch nicht ganz entziehen kann, erst Recht nicht mit etwas Halbwissen in den ansonsten leeren Taschen. Um dem Ganzen gerecht zu werden, sollte man vielleicht eine Mannschaft würfeln, da wäre das Ergebnis im Moment des Aktes dann wenigstens überraschend. Auf der anderen Seite kann man sich, so heißt es jedenfalls, auch immer mal wieder selbst überraschen. Jedenfalls dann, wenn man sich nicht gut genug kennt. Das endet dann in einem sogenannten „Aha-Moment“ sich selbst gegenüber und der Erkenntnis, dass da irgendwie wohl doch noch jemand anderes in einem steckt. Zumindest szeneartig. Denn wenn man danach mal in sich geht, um denjenigen näher kennenzulernen, quasi um dem Tipp die Überraschungsfähigkeit zu nehmen, dann merkt man meist, dass man in Bezug auf seine eigene Vorhersehbarkeit doch meist richtig liegt. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Und auf welche Mannschaft trifft das umschriebene Gedankenspielchen zu? Richtig, auf die Augsburger. Dementsprechend wird der FCA zur vorhersehbaren Überraschung auserkoren, zur unerwarteten Prognose.
Man könnte jetzt auch noch die anderen Mannschaften haarklein tabellarisch positionieren, aber die Kicker-Stecktabelle soll ja nicht jetzt schon fertig sein. Ein bisschen Arbeit muss über das Jahr doch noch investiert werden, zumindest bis Spieltag zwei.
