Richard Guilanotti und Dino Numerato haben in einer Sonderausgabe des Journal of Consumer Culture die Beziehung zwischen globalem Sport und consumer culture herausgearbeitet (Guilanotti und Numerato 2018: 230ff.). Sie stellen fest, dass sich diese Verbindung, historisch betrachtet, in drei Phasen aufteilen lässt und sich durch zunehmende Intensivierung auszeichnet. In einer ersten Phase dieser Entwicklung (Spätes Neunzehntes Jahrhundert bis Mitte der Neunzehnvierziger), die sie als take-off Phase bezeichnen, ist eine Professionalisierung der Athleten zu beobachten, möglich gemacht durch eine Standardisierung und zunehmender Popularität in der Bevölkerung mit daraus resultierenden zunehmenden Zuschauerzahlen. Während in dieser ersten Phase noch teils eine Limitierung auf elitäre Kreise auszumachen ist, wird diese in der zweiten Phase, der integrativen und expansionistischen Phase, zunehmend aufgebrochen, der Sport schafft es, Anschluss an kommerzialisierte Jugend- und Populär-Kultur zu finden. Die Berichterstattung im Fernsehen und den restlichen Massenmedien, bspw. dem Radio, ist professionalisiert, Sport Kleidung ist kommerzialisiert und es entsteht ein Sport-Lifestyle, der sich in der Entstehung einer Fitness-Industrie und der flächendeckenden Bewerbung von verschiedenen Sportarten zeigt. Seit den Neunzehnneunzigern befinden wir uns nun in der dritten Phase, einer der transnationalen Hyper-Kommodifizierung, gekennzeichnet von sowohl globaler Produktion als auch globalem Konsum, von Verbindungen zwischen sogenannten (global) brands, das können sowohl Spieler als auch Vereine sein, und transnationalen Unternehmen.
Von Guilanotti und Numerato als large-scale processes beschrieben, sind fünf große, transnationale Entwicklungen zu bemerken, Globalization, Commodification, Securitization, Mediatization und Postmodernization. Mit Ausnahme der Securitization werden diese Prozesse auch im kommenden Teil eine Rolle spielen, wenngleich hier von einer Spätmoderne anstelle der Postmoderne gesprochen und deswegen der Fokus auf andere sozio-kulturelle Prozesse gelegt wurde und besprochen werden wird.
Diese Prozesse beschreiben zunehmende transnationale Verbindungen (Globalization), eine Kommodifizierung von sämtlichen Bereichen der Lebenswelt (Commodification), eine Zunahme des Einflusses, den soziale, aber auch Massenmedien, der zu verzeichnen ist (Mediatization), in einer Spätmoderne, die von einer Kulturalisierung des Sozialen geprägt ist und einer Logik der Singularisierung folgt. Und obwohl Giulianotti beispielsweise eigentlich Experte für die Welt des britischen Fußballs ist (Guilianotti 2002), lassen sich die oben genannten Beobachtungen sehr gut auf die NBA und den Nordamerikanischen Sport übertragen:
„In the global sport and consumer culture context, one powerful illustration of these processes is provided by world-leading sport leagues, which are played in heavily securitized stadiums, screened globally on pay-TV networks and marketed towards new middle-class consumerist lifestyles.“
In den nachfolgend zwei verlinkten Unterkapiteln werden anhand jeweils unterschiedlicher theoretischer Merkmale, Vorkommnisse der Kommodifizierung der NBA vorgestellt:
Ort und Raum (place and space)
Eine kurze Skizze der Kommerzialisierung und Kommodifizierung von Sportstätten (sport venues) im Kontext der sich global ausbreitenden consumer culture.
Lokal und Global (local and global)
Die NBA als Beispiel einer globalen Marke (global brand) und der zunehmenden Globalisierungseffekte, die auch auf ganze Sportarten und -ligen wirken.
Vorliegend ist ein Auszug aus der Bachelorarbeit des Autors mit dem vollen Titel „The Culture-Ideology of Consumerism: der US-amerikanische Basketball in der Spätmoderne„, verfasst im Februar 2021. Darin wird ursprünglich die Durchdringung einer Ideologie von spätmoderner Konsum-Kultur stärker herausgearbeitet, um darrauffolgend die Verflochtenheit von Kapitalismus, Konsumismus und einer kommodifizierten Welt des (US-) Sports zu kontextualisieren.
Referenzen:
– Giulianotti, Richard und Numerato, Dino (2018): Global Sport and Consumer Culture: An Introduction, in: Journal of Consumer Culture 18 (2)
– Giulianotti, Richard, (2002): Supporters, Followers, Fans, and Flaneurs: A Taxonomy of Spectator Identities in Football, in: Journal of Sport and Social Issues, 26 (1)
